Wenn öffentliche Gelder linksextremen Kollektiven zugutekommen

4 Leseminuten
geschrieben von Max Frei · 27. Juli 2023 · 0 Kommentare

Die Veranstaltung «Fair lesen» in der Deutschschweiz hat sich zum Ziel gesetzt, die Stellung der Frauen im Literaturbetrieb zu beleuchten. Das Symposium wird von der öffentlichen Hand stark unterstützt und fordert unter anderem Quotenregelungen.

Der Frauenstreik 2019 hat neben anderen Maßnahmen auch ein literarisches Symposium hervorgebracht. Die Initiative, die von der Vereinigung Autrices et Auteurs de Suisse (A*dS) und RAUF, einem Zürcher Kollektiv von Schriftstellerinnen, organisiert wird, trägt den Namen «Fair lesen». Ihr Ziel ist es, «die Bedeutung der Vielfalt der Akteure und die Besorgnis über die neoliberale Dynamik (Verlagskonzentrationen, Verkürzung der Fristen, normative Anforderungen, Automatisierung usw.) zu zeigen».

Nachdem die Veranstaltung 2020 und 2021 aufgrund der Gesundheitslage abgesagt worden war, fand sie im Juni 2022 zum ersten Mal im Zentrum Paul Klee in Bern statt. Mehr als 120 Autoren, Organisatoren und Experten aus den Bereichen Medien, Verlagswesen und Theater nahmen daran teil. Die Veranstaltung konnte auf die Finanzierung durch verschiedene Stiftungen, aber auch durch das Bundesamt für Kultur (BAK), die Stadt Bern und den Kanton Bern zählen. Das Budget belief sich auf rund 70.000 Schweizer Franken.

NEWSLETTER DES FREIEN BLICKS

Erhalten Sie unsere Artikel jeden Sonntag.

Der erste Tag des Symposiums bestand aus einer Bestandsaufnahme des Literaturbetriebs. Am nächsten Tag entwickelten die Teilnehmer «konkrete Instrumente und einen Forderungskatalog, um den Mangel an Anerkennung für das literarische Schaffen von Frauen* zu beheben», wie es auf der Website von Fair lesen heißt. Diese lange Liste von Forderungen ist sehr deutlich. Das Symposium «fordert» unter anderem Quoten von mindestens 50% für Frauen und LGBTQIA+ in literarischen Gremien, Kommissionen und Jurys in der Schweiz. Ebenfalls gefordert wird die Institutionalisierung von Aufklärungsarbeit für alle an Schulen und Universitäten über Machtverhältnisse und Machtmissbrauch.

Ungewissheit über die öffentliche Finanzierung

Die nächste Veranstaltung ist für Juni 2024 geplant und soll normalerweise in Basel stattfinden. Die Beschreibung im Internet ist eindeutig: «Wir werden nach Gruppen suchen. (sic) die unterdrückerischen Machtverhältnisse, die das literarische Feld in der Schweiz noch immer strukturieren, zu kartografieren, um die Linien zu verschieben, den literarischen Raum weiter zu öffnen und die Literatur zu einem Raum der Freiheit zu machen».

Im Hinblick auf diesen Austausch haben die Programmgestalter einen Aufruf zur Einreichung von Projekten gestartet. Dieser lief bis zum 30. Juni und war sehr erfolgreich, wie Philine Erni, die als Projektleiterin angestellt ist, versichert. «Wir haben viele interessante Projektskizzen erhalten - viel mehr, als realisiert werden können», sagt sie. Das Symposium wird sich mit zwei zentralen Fragen beschäftigen: «Wie belasten Sexismus und Cisheteronormativität weiterhin den Schweizer Literaturbetrieb? Wer sind die Unsichtbaren und die Unerwünschten in der Literatur?»

Lesen Sie auch | 72 Nuancen des Geschlechts

Das Budget für diesen Jahrgang 2024 steht noch nicht vollständig fest und die Finanzierungsanträge sind noch nicht abgeschlossen. Die nächsten sechs Monate sollen dazu dienen, Geld zu sammeln und die Veranstaltung genauer zu planen. «Wir suchen wieder Gelder auf Bundesebene, aber auch auf lokaler Ebene, von der öffentlichen Hand sowie von Stiftungen usw., die sich der Vernetzung und der Förderung von Literatur widmen», erläutert die Direktorin im Detail.

Das Symposium wird jedoch keine Gelder mehr vom BAK erhalten können. «Die Literaturförderung wurde nämlich im Jahr 2020 neu organisiert», erklärt Philine Erni. Es sei angemerkt, dass die öffentliche Unterstützung politischer Bestrebungen in jedem Fall verboten ist. Es sei denn natürlich, dass das vom Staat finanzierte Pflichtenheft von öffentlichem Interesse ist. Es bleibt abzuwarten, ob die öffentlichen Verwaltungen auf kantonaler und lokaler Ebene wieder mit von der Partie sein werden.

Schreiben Sie dem Autor: max.frei@leregardlibre.com

Sie haben gerade einen frei zugänglichen Artikel gelesen. Debatten, Analysen, Kulturnachrichten: abonnieren Sie um uns zu unterstützen und Zugang zu all unseren Inhalten zu erhalten!

Einen Kommentar hinterlassen