Gesellschaft Kommentar

Nein, ChatGPT ist nicht intelligent!

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geschrieben von Antoine-Frédéric Bernhard · 30. März 2023 · 0 Kommentare

Die Software ChatGPT führt keine Analysen oder Synthesen durch, sie ist nicht kreativ, sondern erzeugt «eine glaubwürdige Fortsetzung zu einem gegebenen Text». Das Ergebnis kann sich dann mit dem Anschein menschlicher Intelligenz schmücken. Das reicht aus, um Befürchtungen und Ängste zu wecken.

Um der allgemeinen Aufregung, den Verkäufern von Wundern oder Albträumen nicht oberflächlich nachzugeben, ist es hilfreich, sich mit der technischen Funktionsweise eines Tools wie ChatGPT zu befassen. Der Doktor der Philosophie Thibault Giraud, Moderator des YouTube-Kanals Monsieur Phi, hat sich mit diesem Thema in einem Video mit dem Titel «Was kann ChatGPT wirklich?», die am 8. Januar veröffentlicht wurde.

Zusammen mit Lê Nguyên Hoang, einem Forscher an der EPFL, erklärt er, wie ChatGPT funktioniert: «Die meisten KIs (Anm.: Künstliche Intelligenz) neueren textgenerierenden Medien beruhen auf sogenannten große Sprachmodelle (“große Sprachmodelle”)». Diese Modelle sind so konzipiert, dass sie eine einzige, sehr präzise Aufgabe erfüllen: «das nächste Wort in einem Text vorhersagen». Das Besondere an diesen Modellen ist, dass sie dies sehr effizient tun können", erklärt Thibault Giraud.

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Diese Effektivität beruht auf zwei verschiedenen Parametern: Zum einen auf einer riesigen Menge an Trainingsdaten («eine gigantische Menge an Texten aus dem Internet [z. B. die gesamte] Wikipedia, aber auch Millionen anderer Seiten»). Andererseits beruht sie auf ausgefeilten Algorithmen, denn um ’seine Vorhersagen während der Trainingsphase zu verbessern, kann das Sprachmodell eine schwindelerregende Anzahl von Parametern anpassen«. Im Falle des Sprachmodells hinter ChatGPT spricht man von »mindestens 175 Milliarden Parametern«.

Alles in allem muss man verstehen, dass ein solches Werkzeug die ihm gestellten Fragen nicht «beantwortet», wie es ein Mensch tun würde. Es führt keine Analysen oder Synthesen durch, es ist nicht kreativ, sondern erzeugt «eine glaubwürdige Fortsetzung eines gegebenen Textes». Das Ergebnis kann sich dann mit dem Anschein menschlicher Intelligenz schmücken - aber nur mit dem Anschein! Das ist Grund genug für viele Ängste und Phantasien.

Schreiben Sie dem Autor: antoine.bernhard@leregardlibre.com

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Antoine-Frédéric Bernhard
Antoine-Frédéric Bernhard

Antoine-Frédéric Bernhard ist freier Journalist und Philosophiestudent. Er ist stellvertretender Chefredakteur von Le Regard Libre.

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