„La Panne“, das symbolträchtige Theaterstück des Schweizers Friedrich Dürrenmatt, inszeniert einen rückwärts erzählten Prozess, in dem die Beweislast für die Unschuld auf dem Angeklagten lastet. Eine Warnung vor den Auswüchsen einer Justiz, die sich als Hüterin der Rechtschaffenheit versteht.
Die Heldin von «Krümel» geht durch das Leben, wie man durch ein Land geht, das nicht auf einen wartet. Zwischen Fabriken, geerbten Schulden und schwindenden Lieben erzählt Lukas Bärfuss von einer Existenz, die sich mit offenem Visier vorwärts bewegt, auf Kosten all dessen, was aufrecht stehen sollte.
In «The Blue Sisters» spürt Coco Mellors mit entwaffnender Ehrlichkeit dieser sehr zeitgenössischen Angst, den Boden unter den Füßen zu verlieren, in den Fußstapfen von vier Schwestern am Rande ihrer selbst nach.
Mit «Uvaspina» packt Monica Acito die Literatur mit den Händen voller heiligem Feuer der verblendeten Mythen und liefert einen fulminanten Roman, in dem Neapel zum Schauplatz fleischlicher Gewalt wird, die von einer rauen und rachsüchtigen Sprache getragen wird.
In jedem literarischen Herbst werden die Preise zu einem unumgänglichen Bezugspunkt für die Leser. Aber sind diese Auszeichnungen wirklich eine Garantie für Qualität?
In Paris, wo wir ihn lange in dem Viertel seiner Kindheit trafen, liest der Romantikspezialist und Literaturhistoriker Alain Vaillant in zwei Jahrhunderten westlicher Kultur den Aufstieg und dann den Niedergang einer auf das Individuum konzentrierten Zivilisation.
In «La Montre d'Hitler» vermischen Yves Azéroual und Christophe Barbier einen Thriller mit einer Reflexion über die Weitergabe, die sich um eine Uhr dreht, die dem Führer gehörte, um zu ergründen, wie eine Epoche die Lebenden verfolgt.
Jeden Monat nimmt unsere Literaturkritikerin ein Werk unter das Kaleidoskop, um die Bilder, die es projiziert, zu sammeln und ihre Beugung wiederzugeben. Dabei kann es vorkommen, dass sich Geniestreiche als Glassplitter erweisen.
Pierre-Nicolas Marquès streift durch die Straßen, um Unbekannten Sätze zu schenken, die reparieren, und sät Poesie in der digitalen Welt. Der Künstler 2.0 spricht über sein Schaffen und seinen Weg zur Musik mit «Amour flingué».