Filme Kritik

«Three Billboards: Plateaus der Rache».»

3 Leseminuten
geschrieben von Loris S. Musumeci · 24. Januar 2018 · 2 Kommentare

Vor neun Monaten wurde Angela Hayes ganz in der Nähe der Stadt Ebbing im Bundesstaat Missouri vergewaltigt und anschließend ermordet. Die Ermittlungen verliefen ergebnislos. Der Täter ist immer noch auf freiem Fuß und die Erinnerung an das junge Opfer ist ungerecht. Ihre Mutter Mildred Hayes (Frances McDormand) kann das nicht akzeptieren. Die Polizei scheint mehr damit beschäftigt zu sein, Schwarze zu diskriminieren oder mit stolzer Miene herumzulaufen. Mildred nimmt ihre wenigen Ersparnisse zusammen und mietet drei riesige Schilder auf dem Weg zum Unglücksort.

«Vergewaltigt, während sie im Sterben lag», steht auf dem ersten in Großbuchstaben auf aggressivem orangefarbenem Hintergrund. Die beiden anderen stellen die mangelnde Ernsthaftigkeit der Polizei in Frage, indem sie direkt auf Sheriff Willoughby (Woody Harrelson) zielen. Dieser, der von allen seinen Mitbürgern hoch geachtet wird, nimmt den Angriff auf ihn nicht gut auf. Er befindet sich im Übrigen im Endstadium seiner Krebserkrankung. Die heikle und leidenschaftliche Situation bringt Mildred die Feindschaft der verschiedenen Behörden der Stadt ein. Ganz besonders die von Officer Dixon (Sam Rockwell), der sich den Angriff zu Herzen nimmt und das Leben der rachsüchtigen Mutter in einen Albtraum verwandeln will. Doch er trifft auf eine knallharte, zum Gegenschlag bereite Frau.

Ein vielversprechender stilistischer Auftakt, der jedoch keine Fortsetzung fand

Der Film des ebenso talentierten wie makabren Regisseurs Martin McDonagh beginnt stilistisch äußerst vielversprechend. Die Standbilder folgen langsam aufeinander. Eines nach dem anderen kündigen die drei heruntergekommenen Plakate einen eindringlichen und düsteren Ton an. Dazwischen schieben sich Aufnahmen des grauen Himmels, der Nahaufnahme des Babys auf einem der Plakate sowie der grünen, aber schmerzlichen Felder.

Kurz darauf wird ein fahrendes Auto von oben mit einer auf dem Dach montierten Kamera gefilmt. Die Technik ist originell. Sie deutet im Übrigen auf eine Fokussierung auf die spätere Hauptfigur hin: Mildred. Doch obwohl diese Sequenzen zu Beginn von viel Geschmack zeugen, wird diese Herangehensweise im weiteren Verlauf des Spielfilms nicht fortgesetzt. Das ist zweifellos enttäuschend.

Dem Regisseur gelingt es jedoch, den gesamten Film in einer atemberaubenden Atmosphäre von western. Durch die Einstellungen mit den herausfordernden Blicken der Heldin oder die Aufnahmen von hinten wird dem amerikanischen Genre par excellence in Three Billboards: Plateaus der Rache. Auch der rote, bedrückende Himmel über Missouri untermalt auf elegante Weise eine Stimmung, die fast schon an Neo-Western.

Die grauen Seelen

Was das Thema angeht, wirkt der Film auf den ersten Blick interessant und scheint die Voraussetzungen für eine nüchterne und fesselnde Geschichte zu bieten. Im Verlauf des ersten Teils des Films werden einige Anzeichen beunruhigender Klischees angedeutet. Obwohl sie der Realität entstammen, sind Rassismus, Homophobie oder Korruption dennoch nicht die charakteristischen Merkmale der Südstaaten. Dennoch könnte der Zuschauer dazu neigen, dies zu glauben, wenn er feststellt, dass Mildred, eine feministische Figur, sich indirekt über das Schicksal der Schwarzen in ihrer Stadt beschwert; oder dass Dixon seine Zeit damit verbringt, einen Zwerg zu hänseln, Homosexuelle zu beleidigen und schließlich sogar einen von ihnen aus dem Fenster zu stoßen; und schließlich, dass die einzige städtische Autoritätsperson, die mutig und integer wirkt, afroamerikanischer Herkunft ist.

Ganz im Gegenteil: Die manichäische Karikatur wird im zweiten Teil des Films jäh gestoppt. Jede Figur offenbart am Ende ihre unendliche Komplexität, ihre eiternden Wunden. Der Mensch wird so in seinem unbeholfenen Streben nach Glück gezeigt, mit schuldbewusster Bitterkeit und unschuldigen Rachegelüsten. Nach einem Ausdruck des Schriftstellers Philippe Claudel, Three Billboards: Plateaus der Rache zeichnet ein Bild von ’grauen Seelen«; niemand ist weder ganz weiß noch ganz schwarz.

– Dixon, bist du dir sicher, dass du diesen Typen umbringen willst?
– Nicht wirklich.

2 Kommentare

  1. Le Regard Libre
    Le Regard Libre · 14. Februar 2018

    Absolument ! Cordialement, Loris S. Musumeci

  2. A la rencontre du Septième Art
    A la rencontre du Septième Art · 14. Februar 2018

    Un drame humain que j'ai trouvé intéressant notamment, comme mentionné ici, pour l'écriture de ses personnages, complexes, ayant tous leurs pulsions, bons et mauvais côtés. Un côté très Coen dans le style et l'histoire !

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