«La Forme de l'Eau»: Die Träumereien der Unsichtbaren

4 Leseminuten
geschrieben von Hélène Lavoyer · 07. März 2018 · 1 Kommentar

Les mercredis du cinéma - Hélène Lavoyer

«Obwohl ich deine Gestalt nicht wahrnehmen kann, finde ich dich überall um mich herum. Deine Gegenwart erfüllt meine Augen mit Liebe und macht mein Herz demütig, denn du bist überall.»

Elisas (Sally Hawkins) Alltag ist geprägt von einer bis ins Detail durchgetakteten Routine und einer Einsamkeit, die nur durch die Worte ihrer beiden Freunde durchbrochen wird – ihres Nachbarn Giles (Richard Jenkins) und ihrer Kollegin, Zelda (Octavia Spencer), die sie jeden Tag verspätet im Regierungslabor in Baltimore trifft, wo sie den ganzen Tag lang putzen.

Doch die Monotonie, mit der sich Elisa – stumm aufgrund ihrer Sprachlosigkeit – offenbar abgefunden hat, bricht mit der Ankunft des neuen amerikanischen «Asses» (Doug Jones) zusammen, dicht gefolgt von ihrem Gefängniswärter Richard Strickland (Michael Shannon) und Dr. Robert Hostettler (Michael Stuhlbarg). Angekettet in einem Salzwasserbecken, weit entfernt von seiner lateinamerikanischen Heimat, gequält von der Gleichgültigkeit und der Angst vor dem Fremden, die Strickland ihm entgegenbringt, finden der Trumpf und die Stimmlose ohne Worte zueinander.

Bald schon scheint das amphibische Wesen, das niemand außer Elisa versteht, dem Tod geweiht zu sein. Doch da hat es die Bemühungen seiner Geliebten nicht einkalkuliert, die durch die Kraft ihrer Gebärden und die Stärke ihrer Liebe Giles und Zelda davon überzeugen wird, ihr bei seiner Rettung zu helfen.

Mit der Unterstützung von Dr. Hostettler, einem untergetauchten russischen Wissenschaftler, werden all diese einzigartigen und einsamen Wesen den phantasmagorischen Fischmenschen aus seinem Folterhaus befreien. In Elisas viel zu kleiner Badewanne, stets verfolgt von dem abscheulichen Strickland, wird das schöne Wesen die Freuden der Liebe kosten und die Möglichkeit erahnen, zu existieren, ohne dass seine Andersartigkeit den Blick der Geliebten ablenkt. Was sie betrifft, so wird sie in ihm das Glück finden, dass ihr Schweigen sie nicht auslöschen lässt.

Das Bild, der Ton, ein Traum

Guillermo del Toro wurde nicht aus oberflächlichen Gründen mit einem Oscar ausgezeichnet. Die Sorgfalt, die der Regisseur der Ästhetik und dem Soundtrack widmet, fesselt das Auge, das Ohr und das Innerste.

Eingetaucht in ein Wassergrün verschwindet die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit; vom einleitenden Moment, der den Zuschauer mit einbezieht, bis hin zum poetischen und zärtlichen Ende – von den Eiern, die im sprudelnden Wasser hart werden, bis zum Knacken von Stricklands Bonbons – ist jedes Detail sorgfältig ausgearbeitet.

Außerdem würde man bei einem so durch und durch romantischen Film fast schon kitschige Serenaden erwarten. Doch der französische Komponist Alexandre Desplat – der bereits zum zweiten Mal ausgezeichnet wurde – bietet uns ein mitreißendes musikalisches Universum von bemerkenswerter Vielfalt, das den Zuschauer in Atem hält und dem Film viel Persönlichkeit verleiht.

Etwas, das du bereust?

Über die Vorstellungskraft des Regisseurs hinaus – und unabhängig davon, wie es ihm gelungen ist, diese auf die Leinwand zu übertragen – bilden die einzigartigen und eigenwilligen Figuren ein sehr stimmiges und abwechslungsreiches Ganzes. Dank ihrer sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten entsteht auf der Leinwand ein schönes Zusammenspiel.

Trotz der offenbar absichtlichen Karikatur bestimmter Aspekte einer bestimmten amerikanischen «Kultur» jener Zeit tappen einige Rollen jedoch in die Falle des Stereotyps. Strickland und seine Rolle als ’hasserfüllter Amerikaner« sind ein Beispiel dafür. Vielleicht ist dies der einzige Kritikpunkt, den man anbringen kann.

Schreiben Sie der Autorin: lavoyer.helene@gmail.com

Bildnachweis: © Twentieth Century Fox

NEWSLETTER DES FREIEN BLICKS

Erhalten Sie unsere Artikel jeden Sonntag kostenlos!

1 Kommentar

  1. Giliane ALLET
    Giliane ALLET · 18 Oktober 2018

    Bien avant la sortie du film je fais un reve ou la creature bleue est inversee donc une femme ,a l'epoque j'ecrivais cette poesie en m'adressant au seigneur en deplorant toutes les injustices de ce monde et puis mystere a la sortie du film qui ressemblai a mon reve je crois en l'existence de dieu on ne peut lui donner de forme mais il est parmi nous pour moi j'avais ma réponse

Einen Kommentar hinterlassen