«Enigma»: Vorsicht vor Faustschlägen!
Internationales Filmfestival Freiburg - Amélie Wauthier
Endlich ein Film, zu dem ich keine vernichtende Kritik verfassen möchte, ganz im Gegenteil. Im Rahmen seiner Sendung über polizeiliche Ermittlungen hat das chilenische Fernsehen beschlossen, sich mit dem ungeklärten Mord an einer jungen Frau zu befassen, die acht Jahre zuvor zu Tode geprügelt wurde. Dieses Ereignis führt uns mitten in den Alltag von Nancy, der Mutter des Opfers, und ihrer Familie. Es ist eine Gelegenheit für alle Beteiligten, ihre Ansichten sowie ihre Wahrnehmung eines jungen Mädchens, das sie nicht so gut kannten, miteinander zu konfrontieren...
Der Film beginnt mit einem Interview zwischen einem Journalisten und Nancy Vasquez. Wir erfahren die Umstände des Todes ihrer Tochter Sandra, und die Brutalität dieses homophoben Verbrechens trifft uns mitten ins Herz! Von da an wird man zum gefesselten Zeugen des Alltags dieser Familie mit ihren unterschiedlichen, aber geeinten Persönlichkeiten, voller Lebensfreude und Authentizität! Wir begleiten sie in ihrer Trauer und ihrem Wunsch nach Verständnis.
Die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten aus dem Jahr 1984, die auch Thema einer Sendung über ungelöste Rätsel waren. Man neigt jedoch dazu, schnell zu vergessen, dass die Handlung in den 90er Jahren spielt, da sie in unserer heutigen Gesellschaft so großen Anklang findet. Die Kraft der Dialoge regt uns dazu an, unsere eigene Akzeptanz von Homosexualität und unsere Reaktionen darauf zu hinterfragen.
Die Entscheidungen des Regisseurs sind besonders treffend und klug. Sie zeugen von gründlichen Überlegungen und sorgfältiger Arbeit. Die engen, beengten Einstellungen vermitteln fast den Eindruck von versteckten Kameras. Die Umsetzung ist sowohl aus Sicht des Zuschauers als auch in bildnerischer Hinsicht brillant! Die Kamerawinkel, das Spiel mit Spiegeln und die Bedeutung, die den Fenstern beigemessen wird, verleihen dem Film eine zarte und bezaubernde Poesie. Die schauspielerische Leistung ist bemerkenswert und bewegend.
Kurz gesagt: Dieser Film ist wunderschön! Dieser Film ist bewegend! (Er ist außerdem mitreißend, authentisch und ergreifend!) Ich kann euch nur wärmstens empfehlen, ihn euch anzusehen – vergesst dabei aber nicht, ein Taschentuch mitzunehmen, denn es ist sehr wahrscheinlich, dass ihr es benetzen werdet.
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Bildnachweis: © Enigma
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