«Familienfoto»: ein emotionaler Schnappschuss

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geschrieben von Alexandre Wälti · 05 September 2018 · 0 Kommentare

Les mercredidis du cinéma - Alexandre Wälti

Was ist ein Familienfoto? Eine einfache Frage für eine Realität, die nicht immer einfach ist: Ein-Eltern-Familie, Patchwork-Familie, zerbrochene Familie usw. Die Schemata weichen immer mehr voneinander ab. Deshalb konnte die banale Idee der Regisseurin Cécilia Rouaud entweder ins Wasser fallen oder den Zuschauer blenden. Kein Recht auf Fehler oder Déjà-vu-Effekte.

Quel grand plaisir de voir autant de monde à l’entrée d’un cinéma ! Quelle joie de revoir des familles et des jeunes dans les salles ! Voilà les deux pensées que j’ai eues au moment de prendre mon billet. Il n’en restait alors plus que cinq pour l’avant-première de 17h45. C’est rare, même jamais le cas. Le septième art a dès lors été dignement fêté pour une journée spéciale à CHF 5.- tous les billets.

So könnte es sich lohnen, die Eintrittspreise an normalen Tagen zu senken! Vielleicht würde das Interesse am Kino - das nach den Besucherzahlen vom letzten Sonntag echt ist - wieder steigen und die Vorstellungen würden wieder voller werden. Vielleicht gäbe es dann auch wieder mehr Besucher.

Die Stärke des Drehbuchs macht den Film

Eine Bemerkung, die besonders sinnvoll ist im Fall von Familienfoto von Cécilia Rouaud. Warum ist das so? Weil es ein echter Familienspielfilm im edlen Sinne des Wortes ist, d. h. er vereint und hinterfragt den eigentlichen Kernknoten der Familie. Die französische Regisseurin ist übrigens auch die Autorin des Drehbuchs. Es ist wichtig, dies zu erwähnen, da die Dialoge in diesem Film den Unterschied ausmachen. Sie beherrscht die Kunst, mit wenigen Worten Missverständnisse und Widersprüche zu konstruieren.

Welche Wirkung erzielt sie? Eine frontale und direkte Wirkung, die den Zuschauer sukzessive einbezieht und abstößt. Dialoge, die den Zuschauer mehr einbeziehen, als er erwartet hatte, und ihn dann enttäuschen und verärgern. Die Großmutter, die an Alzheimer erkrankt und davon besessen ist, zum Sterben nach Saint-Julien zurückzukehren, wird ebenso geliebt wie als lästig empfunden. Ein Ort, an dem sie immer die Sommerferien mit ihren Enkeln verbrachte. Gerade die! Wir möchten Gabrielle (Vanessa Paradis) und ihren naiven Wunsch, um jeden Preis zu lieben, umarmen. Dann bläht sie uns mit ihrer manchmal erstickenden Überfülle an Liebe für ihren sehr kalten und distanzierten Sohn (Rio Vega, blendend) auf. Wir leiden mit ihrem Bruder Mao (Pierre Deladonchamps), um ihn dann hoffnungslos und leer, ja sogar dumm zu finden. Bei ihrer Schwester Elsa (Camille Cottin) spürt man die ganze Wut und die Neurosen, auch wenn sie oft zu aggressiv wirkt.

Cette petite fratrie semble avoir été heureuse uniquement sur une photo qu’ils gardent tous les trois précieusement, qui les révèle pour ce qu’ils sont : trois enfants marqués jusqu’à l’âge adulte par une séparation. Mais que s’est-il passé au fil des ans ? Tout cela s’impose et se compose progressivement dans le déroulement du film. Comme si un cliché de jeunesse représentait tout ce que les trois sœurs et frère connaissent du concept « famille ». Et qu’il était le seul lien véritable entre eux, un lien puissant. Etrange réminiscence des temps révolus de l’enfance chez mamie où ils oubliaient sans doute la séparation de leur père absent (Jean-Pierre Bacri), coureur de jupons, et de leur mère (Chantal Lauby), souvent à côté de la plaque et passive.

L’art d’être famille

Sie denken sich wahrscheinlich: «Noch eine Familienkomödie nian-nian mit einer Starbesetzung!» Das tat ich übrigens vor der Vorführung auch, wie ich zugeben muss. Jetzt fragen Sie sich, warum Sie bis hierher gelesen haben. Sie wissen nicht mehr über den Film und was ihn so besonders macht. Vielleicht liegt es einfach daran, dass man ihn sehen muss, um es zu glauben.

Eine Maxime, gewiss nian-nian eben, sondern passt perfekt zu den Gefühlen, die man angesichts der Bilder und Szenen von Familienfoto. Die Geschichte erschließt sich durch die Bilder und die vielen Szenen, in denen man sich gegenübersteht. Es entsteht der Eindruck, diese Familie irgendwo schon einmal gesehen zu haben. Ein Effekt, der durch den feinfühligen Schreibstil der Cécilia Rouaud hervorgerufen wird. Eine Drehbuchautorin, die nicht davor zurückschreckt, die dramatischsten Momente ihres Films absurd zu unterbrechen und so die Spannung mit einem abrupten Schlag abfallen zu lassen. Eine Regisseurin, die ein feines Auge dafür hat, tiefe familiäre Zerwürfnisse in Szene zu setzen.

Das Déjà-vu wird also von Cécilia Rouaud durch die Kunst vermieden, ständig die Spuren zu verwischen und gleichzeitig ein anderes Problem einer zersplitterten Familie, die sich trotz allem liebt, aufzuwerfen. Familienfoto, Es ist das seltsame Gefühl, die gefilmten Situationen selbst erlebt zu haben, sie erneut zu spüren und sie für die Zukunft zu hinterfragen. Es ist auch das Talent, das banale Szenen mit einer erstaunlichen Dynamik filmt. Kurzum, ein Familienfoto ist offenbar wie das Konzept der Familie, das uns beeinflusst hat und immer noch beeinflusst. Diese manchmal schwierige, aber immer starke Verbindung.

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Fotocredit: © Agora Films

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