Eine Krone für zwei Königinnen, ein Thron, den man sich teilen muss, und eine gemischte Kritik

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geschrieben von Kelly Lambiel · 06 März 2019 · 0 Kommentare

Mittwochs im Kino - Kelly Lambiel

Zu lang und zugleich zu kurz. Ein Kontrast zwischen gewalttätigen und heiteren Szenen. Feministische Aussagen, die gefährlich nahe an Klischees heranreichen. Eine Inszenierung auf halbem Weg zwischen Theater und Kino. Zwei talentierte Schauspielerinnen, die auf effekthascherisches Spiel verzichten und stattdessen ein zurückhaltendes Schauspiel zeigen. Das Ergebnis? Ein durchwachsener Erfolg für Maria Stuart, Königin von Schottland. Wir erklären Ihnen, warum…

Ein vielversprechender Start

Der Film beginnt mit einer Hinrichtung, nämlich der von Marie. Bevor sie ihren Kopf auf den Block legt, folgt man ihr von hinten von ihrer Zelle bis in den Saal, in dem ihre Hinrichtung stattfinden wird. Diese Nahaufnahme ist nicht nur sehr ästhetisch, sondern auch von großer Ausdruckskraft. Tatsächlich wird sie durch ähnliche Einstellungen unterbrochen, die sich auf jene beziehen, die von Anfang an als ihre Feindin dargestellt wird: ihre Cousine Elisabeth I.

Keine Spannung also, was den Ausgang der Handlung angeht, aber ein erzählerisch wirkungsvoller und stilistisch gelungener Auftakt. Die Geschichte kehrt dann zu dem Konflikt zurück, der die beiden Thronanwärterinnen etwa zwanzig Jahre lang verband, ohne dass sie sich jemals begegnet wären.

Eine wenig originelle Handlung und Probleme mit dem Erzählrhythmus

Eine kurze Recherche im Internet ermöglicht es jedem, der die Geschichte noch nicht kennt, den roten Faden leicht nachzuvollziehen. Maria Stuart ist die Enkelin von Margaret Tudor, der Ehefrau des Königs von Schottland und der älteren Schwester des blutrünstigen Königs Heinrich VIII. Diese Abstammung macht sie somit zu einer legitimen Anwärterin auf den englischen Thron. Zumindest für die Katholiken. Für die Protestanten, die die Scheidung des verstorbenen Heinrich anerkennen, ist Elisabeth, die aus seiner Verbindung mit der skandalumwitterten Anne Boleyn hervorgegangen ist, die rechtmäßige Königin.

Allerdings werden diese Details erst gegen Ende des Films kurz angeschnitten, als Elizabeth erwähnt, dass sie nicht wie ihr Vater ist. Zugegeben, das Thema ist umfangreich und die Handlung baut auf zahlreichen Auslassungen auf, die es ermöglichen, die Geschichte voranzutreiben, doch diese Abfolge disparater Momente ermüdet den Zuschauer letztendlich. Schlimmer noch: Sie verhindert, dass man sich in die Gedankenwelt der Figuren hineinversetzen, ihre Beweggründe verstehen und eine Bindung zu ihnen aufbauen kann. Paradoxerweise gibt es Längen bei einigen anderen Elementen, die zwar den historischen Fakten entsprechen, aber zugunsten einer tieferen Selbstreflexion hätten gekürzt, vereinfacht oder sogar weggelassen werden können.

Die Ungeschicklichkeiten des Konformismus

In ihrem Debütfilm nutzt Josie Rourke dieses bekannte Kapitel der englischen Geschichte, um aktuelle Themen – insbesondere den Feminismus – in den Vordergrund zu rücken. Dabei scheut sie sich nicht, sich einige Freiheiten gegenüber den historischen Fakten zu nehmen, um bestimmte Problemstellungen zu beleuchten. So verwandelt sie den von Adrian Lester gespielten Botschafter von Elisabeth in einen Mann mit dunkler Hautfarbe, macht Lord Darnley, dargestellt von Jack Lowden, zu einem Homosexuellen und seinen Liebhaber David Rizzio, gespielt von Ismael Cruz Cordova, zu einer besonders effeminierten Figur. Eine Kühnheit, die wir begrüßt hätten, wenn diese Themen die ihnen gebührende Behandlung erfahren hätten.

Leider scheinen diese jedoch nur angedeutet worden zu sein, um zu zeigen, dass der Film ganz im Zeitgeist liegt. Auch der feministische Diskurs kann bestimmte Klippen nicht umschiffen. Schon in den ersten Dialogen wird deutlich, dass es nicht nur um die Rivalität zwischen zwei Cousinen oder zwischen Katholiken und Protestanten geht. Es handelt sich vielmehr um den erbitterten Kampf zweier Frauen, die darum ringen, ihren Platz in einer Welt zu finden, die ihnen besonders feindlich gesinnt ist – einer Männerwelt. Dieser Kampf ist es, der Elizabeth und Marie letztendlich einander näherbringt, sie aber gleichzeitig zu verfeindeten Schwestern macht, wie ihre Briefwechsel immer wieder zeigen.

Von frauenfeindlichen Beratern manipuliert, die darauf aus waren, dass sie von ihren Ehemännern gezügelt würden, haben sich beide stets geweigert, sich in politische Ehen zu fügen und in ihrem Liebesleben Zugeständnisse zu machen. Zwar veranschaulicht die Regisseurin diesen Punkt sehr gut anhand äußerst treffender Dialoge, doch verliert sie ihren Status als Sprachrohr der feministischen Bewegung, wenn sie der Königin von England Sätze in den Mund legt wie: «Ich bin eher ein Mann als eine Frau, das hat der Thron aus mir gemacht» oder «Ich entscheide mich dafür, ein Mann zu sein, und Sie [ihr Berater, nämlich Guy Pearce] sind für mich das, was einer Ehefrau am nächsten kommt». Schade.

Die Form als Stütze des Inhalts

Trotz dieser wenigen Mängel sind jedoch die sehr gepflegte Ästhetik und die starke symbolische Aussagekraft einiger sehr gut komponierter Szenen hervorzuheben. Die Landschaften, Kulissen und Kostüme sind von hoher Qualität, und die Hell-Dunkel-Kontraste vermitteln uns manchmal den Eindruck, uns in einem barocken Gemälde zu befinden. Die Eröffnungsszene ist, wie bereits erwähnt, geschickt inszeniert, da sie es ermöglicht, die beiden Cousinen von Anfang an einander gegenüberzustellen, gleichzeitig aber auch auf subtile Weise die Verbindung zwischen ihnen andeutet.

Von hinten gefilmt und mit derselben Frisur sind sie kaum voneinander zu unterscheiden – doch die Farbe ihrer Haare verrät den Unterschied. Die Geburt von Marias Kind, das Elizabeth schließlich zu ihrem Erben ernennen wird, ist ebenfalls ein Höhepunkt des Films. Es trägt nämlich die Hoffnungen der beiden Königinnen in sich, nämlich die Vereinigung von Schottland und England unter einer einzigen Krone. Dieser gemeinsame Wunsch wird auf der Leinwand auf einfühlsame Weise durch überlagerte Bilder der beiden Königinnen vermittelt, die in dieser Szene durch ihre Off-Stimmen vereint sind.

Die Begegnung der beiden Herrscherinnen bestätigt unsere Aussage endgültig und rettet den gesamten Film. In dieser meisterhaften und lang ersehnten Szene ist alles perfekt. Bevor sie sich endlich gegenüberstehen, suchen Margot Robbie – die als von Pocken gezeichnete Elizabeth kaum wiederzuerkennen ist – und Saoirse Ronan einander, mustern sich und tauen langsam auf. Nachdem sie sich in einem Raum verabredet haben, der einer Wäscherei ähnelt, beobachten sie sich zunächst durch die Vielzahl von Laken, die sie voneinander trennen.

Als sie sich endlich gegenseitig ihre wahren Gefühle offenbaren, ist man überrascht, dass sie nicht in einen Wettstreit um die größte Emotion verfallen – zu unserer größten Freude. Keine Tränenflut, keine Schreie. Zwei Frauen, die sich von Angesicht zu Angesicht die Rechnung begleichen, in einer Schlichtheit von phänomenaler Kraft. Zurückhaltende Emotionen, ein Schauspiel von gewaltsamer Sanftheit, zwei Königinnen, die endlich sympathisch wirken.

Schreiben Sie dem Autor: lambielkelly@hotmail.com

Bildnachweis: © Universal Pictures

Maria Stuart, Königin von Schottland
USA und Großbritannien, 2019
Regie: Josie Rourke
Drehbuch: Beau Willimon, nach dem Werk von John Guy
Dolmetschen: Saoirse Ronan, Margot Robbie
Produktion: Tim Bevan, Eric Fellner u. a.
Verteilung: Universal Pictures
Dauer: 2h04
Ausgehen: 27. Februar 2019

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