«Brooklyn Yiddish» - eine erhabene Fotografie heiratet die Geschichte eines Witwers

2 Leseminuten
geschrieben von Loris S. Musumeci · 10. Januar 2018 · 0 Kommentare

Mittwochs im Kino - Loris S. Musumeci

« Haben Rabbiner ein Mitspracherecht?»

Menashe sieht verloren aus. Er läuft durch seine Nachbarschaft und scheint nicht zu wissen, wohin er geht. Dennoch kommt er wie immer zu spät. Kaum im Lebensmittelgeschäft angekommen koscher wo er arbeitet, bekommt er eine Bemerkung von seinem Vorgesetzten. Darüber hinaus ist Menashe seit einem Jahr Witwer. Das Sorgerecht für seinen einzigen Sohn Rieven hat der Bruder seiner verstorbenen Frau übernommen, bis er eine neue Frau gefunden hat. Nur ist er nicht sehr heiratswillig. Was für ihn zählt, ist sein Sohn. Barmherzig gewährt ihm der Rabbi, dass er Rieven eine Woche lang zu sich nach Hause nehmen darf. Der Vater wird sich die größte Mühe geben, um zu beweisen, dass er und das Kind glücklich sein können.

Eine berührende Geschichte

Joshua Z. Weinstein ist in sein eigenes Judentum eingetaucht, um einen Einblick in das Leben in einem jüdischen Viertel zu geben. Wenn Brooklyn Yiddish die Atmosphäre in der chassidischen Gemeinde in Brooklyn perfekt wiedergibt, bietet er in Wirklichkeit viel mehr. Die Geschichte erzählt von der ebenso banalen wie großen Liebe eines Vaters zu seinem Sohn. Der Vater ist zwar sehr ungeschickt, aber der Junge hat trotzdem nur Augen für ihn.

Der Film stellt auch das Gefühl dar, sich als etwas Besonderes zu fühlen. Menashe wird allgemein für seinen Status als Witwer, der sich mit der Wiederverheiratung Zeit lässt, verachtet. Außerdem achtet er nicht auf sein Äußeres, indem er das Tragen von Hut und Mantel vernachlässigt. Als Außenseiter versucht er, in einer recht homogenen Gruppe so akzeptiert zu werden, wie er ist. Die Figur ist daher einfach rührend. Trotz des tallit katan, schwarze Weste, kippa und Bart verkörpert er all jene, die auf der Suche nach einem unspektakulären, aber erfüllten Leben sind.

Eine erhabene Fotografie

Die Fotografie schmiegt sich wunderbar an den Rahmen an; das macht Brooklyn Yiddish ein vollständiges Werk. Die Aufnahmen haben eine poetische Präsenz, die alles enthüllt, was Menashe in seinem Herzen hat und nicht zu sagen wagt. Indem er viel mit den Seiten des Gesichts spielt, filmt der Regisseur Szenen, in denen die Position der Kamera in Bezug auf die Figur von ihrem Gemütszustand erzählt. Nicht weniger gelungen sind die Gesamtaufnahmen, die die Straße mit Frauen zeigen, die eine Schar von Kindern hinter sich herziehen, oder mit Männern, die mit aufrechtem Rücken gehen und einen schwarzen Hut auf dem Kopf tragen.

Der Wechsel zwischen Schärfe und Unschärfe, der durch Kamerabewegungen, die Entfernung oder Nähe ausdrücken, erhöht wird, trägt ebenfalls zur Schönheit der Bilder bei. Sie zeigt mal die Ruhe in der Einsamkeit eines Juden, mal die Aufregung am Tisch des Mannes. Schabbat oder das Schaukeln des Kopfes im Gebet. Die Musik hingegen lässt die schönsten Geigen erklingen, ohne in ein Übermaß an Melancholie zu verfallen. Fair und wohltemperiert begleitet sie den Weg von Menashe und Rieven glücklich.

« Menashe, die Tora sagt: “Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist”.»

Schreiben Sie dem Autor : loris.musumeci@leregardlibre.com

Fotocredit: © Federica Valabrega für Look Now!

Einen Kommentar hinterlassen