Ein «Pinocchio» in der Kontinuität, aber verfehlt

4 Leseminuten
geschrieben von Loris S. Musumeci · 08 Juli 2020 · 0 Kommentare

Mittwochs im Kino - Loris S. Musumeci

Matteo Garrone kehrt zurück. Roberto Benigni auch. Und natürlich die Fabel von Pinocchio (1881) von Carlo Collodi, die schon so oft verfilmt wurde. Das Ereignis kündigt sich also durch die Zusammenführung dieser drei Rückkehrer an. Dogman (2018), in meinen Augen ein wahres Meisterwerk, bestätigte Garrone, der in Cannes bereits für Gomorra (2008), als brillanter Filmemacher, dessen Veröffentlichungen vom Publikum mit Ungeduld erwartet werden. Benigni, der ewig geopferte Vater des riesigen Das Leben ist schön (1997), kehrt nach acht Jahren, die er der Bühne gewidmet hat, noch sehnlicher auf die Leinwand zurück. Und Pinocchio bleibt Pinocchio, mit jeder neuen Adaption. Mal freier, mal getreuer, jede Adaption beweist, dass die Jahre für Fabeln nicht vergehen. Sie bleiben, sprechen zu jeder Zeit, zu jedem.

https://www.youtube.com/watch?v=bqo4j55MLLc

Garrone hat sich einer Geschichte bemächtigt, mit der er seit seiner Kindheit eng vertraut ist. Er, der seine früheren Filme als schwarze Fabeln der Neuzeit betrachtet, hat sich diesmal an eine echte Fabel gewagt. Die italienischste aller Fabeln, eine der bekanntesten. Er begibt sich auf vertrautes Terrain, sodass er sich mehr auf den Stil der Fotografie und die Erzählweise konzentrieren kann. Der Film ist auch eine Art Kontinuität: Benigni spielt Geppetto, nachdem er in seinem eigenen Film Pinocchio gespielt hatte. Pinocchio (2002), der trotz der horrenden Kosten nicht den erwarteten Erfolg hatte.

Sowohl bei Garrone als auch bei Benigni geht die Kontinuität über die bloße Filmografie hinaus; sie ist Teil eines Themas, nämlich der Vaterliebe. Vaterliebe in Das Leben ist schön für einen Guido, der sogar sein Leben gibt, um seinen Sohn Giosuè vor der schrecklichen Realität der Konzentrationslager zu retten. Vaterliebe in Dogman für einen Marcello, der trotz aller Probleme seiner Tochter gegenüber nur lächeln kann, ohne jemals seine Angst durchscheinen zu lassen, um ihr zu ermöglichen, zu träumen und in einer fabelhaften Welt zu leben. Und Vaterliebe in Pinocchio für einen Geppetto, der ein Stück Holz zum Leben erweckt, um daraus ein Kind zu machen, seinen Sohn. Er geht sogar in den Mund eines Wals, um ihn zu finden. Der Vater befindet sich in allen drei Filmen in der Position des Loser - die Art von Charakter, die ich sowohl in Filmen als auch in der Literatur bevorzuge - aber ein Loser die aus Liebe zu ihren Angehörigen und ihrem Kind nicht aufgibt.

Bei Garrone ist die Fotografie immer sehr gepflegt. Wenn bei Pinocchio, Ich glaube, sie ist weniger charakteristisch als in Dogman, Sie ist dennoch angenehm, stark und mitreißend. Der blasse Filter über den Farben, der eine tragische Stimmung vermittelt, zusammen mit den leicht verwaschenen Tönen der Kostüme, die dem Bild Natürlichkeit und Weichheit verleihen. Unter den Kostümen befinden sich die Charaktere, ihr Make-up, ihre Stimmen und ihre Gesichtsausdrücke. Hier finden wir uns bei Fellini wieder. Von der Zirkuswelt inspirierte Figuren mit stark vergrößerten Gesichtszügen, die entweder dämonisch oder engelhaft aussehen und völlig schräge Stimmen haben. Diese Figuren, die Karikaturen ihrer selbst sind, betonen den Kontext der Fabel. Ganz zu schweigen davon, dass mehrere von ihnen Tiere mit menschlichen Zügen sind, ohne dabei kitschig zu werden. Es ist Fantasie, ohne groben Überschuss.

Es ist also alles vorhanden, um ein erfolgreiches Werk zu schaffen, oder? Nein, eigentlich überhaupt nicht. Trotz des unbestreitbaren schriftstellerischen Talents des Regisseurs, trotz Benignis stets berührendem Spiel, trotz des jungen Schauspielers, der die Marionette spielt, die «ein richtiger kleiner Junge werden will», ist der Film trotz all seiner Qualitäten ein Misserfolg. Er ist blass und langweilig und begnügt sich ohne Originalität damit, uns ein Abenteuer Pinocchios nach dem anderen zu liefern. Vor der Leinwand hat man das Gefühl, dass Garrone alles in seinen Film packen wollte, aber leider hat er das Layout vernachlässigt. Der Film ist eine Aneinanderreihung von Szenen, die auf Dauer langweilig sind und deren Dialoge nicht sehr hoch sind. Abgesehen von ein paar politischen Seitenhieben beschränkt sich das Drehbuch auf bereits gehörte und wieder gehörte Banalitäten. Das ist schade, denn mit Dogman insbesondere hatte der Regisseur das Märchenhafte mit der Modernität seiner Botschaft in Einklang gebracht.

Aus Zuneigung zu Garrone, zu Benigni und zu der Fabel möchte ich den Film trotz seiner gravierenden Mängel empfehlen. Hatte ich zu hohe Erwartungen? War ich in dieser Kritik zu streng? Wenn ich etwas Dummes gesagt habe, soll mir die Nase wachsen.

Schreiben Sie dem Autor: loris.musumeci@leregardlibre.com

Bildnachweis: © Ascot Elite Entertainment

Einen Kommentar hinterlassen