Football Leaks: Eine Enthüllung, wirklich?

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geschrieben von Diego Taboada · 12 November 2018 · 0 Kommentare

Diese Woche gab es eine neue «Enthüllungswelle», die die Welt des Fußballs betraf. Diese Dossiers, die seit einiger Zeit regelmäßig anonym «geleakt» werden, beleuchten meist Steuerhinterziehungen berühmter Spieler oder undurchsichtige Intrigen innerhalb verschiedener Fußballinstanzen.

Die neuen Erkenntnisse betreffen vor allem den französischen Hauptstadtclub Paris Saint-Germain, der 2011 von Katar aufgekauft wurde und in der breiten Öffentlichkeit vor allem für seine horrenden Transfersummen von über 100 Millionen Euro bekannt ist. Es wird ihnen vorgeworfen, in den letzten sieben Jahren fast zwei Milliarden Euro investiert zu haben. Theoretisch gegen die geltenden Finanzregeln - «das berühmte Fairplay finanziell» - die eingerichteten Finanzkonstrukte sollen von Michel Platini und Gianni Infanito, dem ehemaligen Präsidenten bzw. dem ehemaligen Generalsekretär der UEFA, gedeckt worden sein.

Mediapart, das einige Dokumente veröffentlicht hat, enthüllt außerdem, dass Nicolas Sarkozy dem Emir von Katar damals vorgeschlagen haben soll, einen Sportverein und einen Sportkanal in Frankreich zu kaufen. Im Gegenzug würde Michel Platini dafür sorgen, dass die Weltmeisterschaft 2022 in Katar stattfinden würde. Ein Skandal, zweifellos. Aber ist das angesichts der Verbindungen zwischen Sarkozy, Platini und Katar und der Undurchsichtigkeit, mit der Entscheidungen wie die Vergabe einer Weltmeisterschaft getroffen werden, wirklich so überraschend?

Die Spieler erhalten eine «ethische Prämie» von bis zu dreihunderttausend Euro pro Monat, um die Spieler zu grüßen. Fans oder sich mit jungen Menschen fotografieren Unterstützer. Unanständig? Natürlich ist es das. Aber was kann man von einem Verein ohne Kultur und Identität erwarten, dessen Markenzeichen es ist, Spieler zu überhöhten Preisen zu kaufen, deren Hauptmotivation wahrscheinlich nicht die Liebe zum Trikot ist?

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Die letzte Frage, die im Hexagon für Schlagzeilen sorgte, spiegelt entweder kollektive Heuchelei oder krasse Ignoranz wider, je nachdem, was man wählt. Die Football Leaks stellen Paris SG - schon wieder - als einen Verein dar, der seine Spieler und potenziellen Neuzugänge nach ethnischen Kriterien erfasst. Im Land der Gleichheit «unanständig und inakzeptabel». Dabei handelt es sich jedoch um eine gängige und bekannte Praxis, über die man sich empört, als ob sie überraschend wäre. Das erinnert an die Diskussionen, die 2010 in Frankreich geführt wurden, als die Idee einer Quotenregelung aufkam. Auch hier handelt es sich nicht um etwas Neues, sondern vielmehr um eine journalistische Wiederholung.

Als helvetischer Beobachter muss man übrigens unweigerlich an die «Adler-Polemik» bei der letzten Weltmeisterschaft denken, als zwei Schweizer Spieler kosovarischer Abstammung nach ihren Toren gegen Serbien den albanischen Adler mimten. Einige große Geister im Schweizerischen Fußballverband nutzten die Gelegenheit, um die Debatte über die Doppelstaatsbürgerschaft und die (zu starke) Präsenz von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in den Nationalmannschaften anzustoßen, und schlugen sogar vor, dass Jugendliche bei ihrer ersten Länderspielteilnahme auf ihre zweite Staatsbürgerschaft verzichten sollten. Keine Überraschungen, sondern sterile und uninteressante Polemik, alles in allem.

Diese Football Leaks sind daher ein Nicht-Ereignis und alles andere als ein Schock für den Fußballmikrokosmos. Jeder mehr oder weniger eifrige Beobachter, ob fußballbegeistert oder nicht, ist sich der endemischen Korruption in der Welt des Fußballs sehr wohl bewusst. Der Effekt der «Bewusstwerdung» funktioniert nicht und man setzt das System weiterhin fort, indem man diesen Sport «konsumiert». Jede Pseudo-Enthüllung, die als Wendepunkt dargestellt wird, ist nur ein Sturm im Wasserglas, solange das System keine tiefgreifenden Veränderungen erfährt und es mehr um Politik als um Sport geht.

Schreiben Sie dem Autor: diego.taboada@leregardlibre.com

Bildnachweis: ©. Wikimedia CC 2.0 - Ungry Young Man

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