Michel de Montaigne lesen, für unser Gleichgewicht
Der ehemalige Bundesrat Pascal Couchepin. Zeichnung von Nathanaël Schmid
In seiner Kolumne stellt der ehemalige Bundesrat Pascal Couchepin ein Buch vor, das ihn geprägt hat. In diesem Monat befasst er sich mit den „Essais“ von Montaigne, die auch heute noch von großem Wert sind.
Was soll man in dieser politisch ungewissen Zeit lesen, in der Gewissheiten im Strudel der Ereignisse zerbröckeln? Unsere demokratischen Gesellschaften beriefen sich gerne auf verschiedene Inspirationsquellen, darunter die Aufklärung des 18. Jahrhunderts. Im Rahmen dieser Tradition sollte die Vernunft es ermöglichen, einen ewigen Frieden anzustreben. Daraus entstand die Schaffung neuer und universeller Institutionen wie des Völkerbunds und der Vereinten Nationen, die als Hüter des Völkerrechts fungieren sollten. Damals herrschte großer Optimismus – die Vernunft würde auf Dauer inspirieren, wenn auch unter gelegentlichem Einsatz koordinierter und maßvoller Gewalt, Lösungen für
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