Die Grenze als Voraussetzung für Pluralität
Die Grenze, die in den letzten sechzig Jahrzehnten in den westlichen Ländern zunehmend verpönt war, kehrt in diese Länder zurück. Die Rede von einer Welt ohne Grenzen ist aus mehreren Gründen nicht mehr so verlockend. Die russische Invasion in der Ukraine zeigt eindrücklich, dass es absurd ist, von Unabhängigkeit ohne Territorium zu sprechen. Darüber hinaus wird deutlich, dass die Idee eines vereinten Europas angesichts der zahlreichen Herausforderungen unserer Zeit (Krieg, Terrorismus, Einwanderung ...) die Anerkennung seiner Außengrenzen als Verlängerung der Binnengrenzen der Länder, aus denen es sich zusammensetzt, voraussetzt. Grenzen sind die Markierungen der Geschichte eines Landes: Sie definieren nicht nur die geografischen, sondern auch die kulturellen Konturen des Landes. Dies ist zumindest der Gedanke, den man aus Régis Debrays "Lob der Grenzen" ziehen kann.
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