Einweihung des Gotthard-Basistunnels: Wir haben einen Termin in der Geschichte

2 Leseminuten
geschrieben von Nicolas Jutzet · 29. Mai 2016 · 0 Kommentare

Blick auf die Aktualität - Nicolas Jutzet

Die Zeit ist reif für die Feierlichkeiten. Nach siebzehn Jahren Bauzeit, in denen 2400 Arbeiter beschäftigt waren, wird der längste Tunnel der Welt eingeweiht. Die 1er Juni wird die Schweiz und sogar Europa dieses innovative Juwel feiern. Das 57 Kilometer lange Bauwerk zeigt einmal mehr, wie fortschrittlich die Schweiz ist. Denn ja, wir wollen hier einmal nicht den Bescheidenen spielen, denn was wir hier geschaffen haben, ist einfach titanisch, absolut grandios. Um es einfach auszudrücken: ein Meisterwerk!

Hinter dieser Meisterleistung steckt eine lange Geschichte, die Geschichte, die die Schweiz, das einst so arme Land, zu einem neuen reichen Land gemacht hat. Der Gotthard von heute ist dank der Arbeit großer Akteure der Vergangenheit möglich. Und ich denke, dass die Schweiz diese Gelegenheit nutzen sollte, um eine Kränkung auszugleichen und eine offene Wunde zu heilen. Ein kurzer Blick zurück: Der erste, der die Bedeutung einer Nord-Süd-Eisenbahnverbindung für die Schweiz erkannte, war Alfred Escher. In meinen Augen ist es dieser Arbeitstier und Visionär, dem wir den Erfolg unserer modernen Schweiz zu verdanken haben. Er war es, der ab 1852 mit seinem Eisenbahngesetz (Bau und Betrieb des Eisenbahnnetzes an private Gesellschaften) dafür sorgte, dass unser Land seinen Rückstand im Eisenbahnwesen aufholte. Zuvor hatte es nur eine einzige, lächerliche Eisenbahnlinie zwischen Zürich und Baden gegeben.

Schließlich überzeugte er den Rest des Landes von der Notwendigkeit, einen Tunnel unter dem Gotthardmassiv zu bauen. Nebenbei gründete er die Schweizerische Kreditanstalt, um die fehlenden Gelder im Ausland zu beschaffen. Leider verzögerte sich die Herkulesaufgabe des Gotthardtunnels, Escher fiel in Ungnade und wurde schließlich von dem Projekt ausgeschlossen. Bei der Einweihung des Tunnels am 25. Mai 1882 wurde sein Name nicht einmal erwähnt - ein Sakrileg. Aufgrund der vielen Spannungen wagte es niemand, dem Mann, der doch die Grundlage für alles war, eine Blume zuzuwerfen. Alfred erholte sich nie davon und starb im Dezember desselben Jahres.

Ich hoffe, dass Adolf Ogi und die anderen Gäste, wenn sie sich am 1. Juni selbst beglückwünschen, an den Mann denken werden, dessen Statue jetzt stolz im Zürcher Hauptbahnhof steht. Dass wir heute die Welt mit unseren Leistungen beeindrucken, verdanken wir unter anderem unseren Vorgängern. Vergessen wir sie nicht!

Schreiben Sie dem Autor: nicolas.jutzet@leregardlibre.com

Nicolas Jutzet
Nicolas Jutzet

Nicolas Jutzet ist Mitbegründer des Mediums Liber-thé und Vize-Direktor des Liberalen Instituts in der Schweiz.

Einen Kommentar hinterlassen