«Venedig liegt nicht in Italien», es liegt in der Zärtlichkeit
Les mercredidis du cinéma - Jonas Follonier
Schon wieder eine französische Dramödie bei den „Mittwochs im Kino“? Und dazu noch von einem nicht besonders kritischen Kritiker sehr positiv bewertet und ein bisschen einseitig? Ja, tut mir leid. Denn Venedig liegt nicht in Italien von Ivan Calbérac ist ein in jeder Hinsicht gelungener Film.
Emile ist ein junger Teenager, der mit seinen beiden verrückten Eltern in einem Wohnwagen lebt. Seine Mutter färbt ihm die Haare blond, «weil er von Natur aus nicht schön ist», sein Vater verherrlicht ihr Boheme-Leben und erzählt ständig Unsinn. Sein Bruder hingegen ist schon längst ausgezogen, da er seine „besonderen“ Eltern nicht mehr ertragen konnte. Eines schönen Tages lädt das Mädchen, in das Emile verliebt ist, ihn ein, sie in Venedig zu besuchen, wo das Orchester, in dem sie spielt, ein Konzert geben wird. Emiles Eltern sind zwar sehr sparsam, aber dennoch sehr wohlwollend. Sie stimmen zu, dass ihr Sohn nach Italien reist. Aber unter einer einzigen Bedingung: dass sie mit ihm kommen. Mit dem Wohnwagen, versteht sich.
Venedig liegt nicht in Italien ist zunächst einmal ein 2015 veröffentlichter Roman, der erste, den Ivan Calbérac geschrieben hat und den er als Film umsetzen wollte. Was für eine gute Entscheidung! Zunächst einmal findet sich in dieser Komödie – genau wie in der Regierung von Emmanuel Macron – eine Kunst des Besetzung: Benoît Poelvoorde, Valérie Bonneton, Hélie Thonnat, Eugène Marcuse und Coline D’Inca. So wie das Christentum die Dreifaltigkeit erfunden hat (oder die Dreifaltigkeit das Christentum – wer weiß das schon), so hat Ivan Calbérac die Fünffaltigkeit erfunden. Die französische Komödie-Drama-Diva, verkörpert von fünf atemberaubenden Darstellern.
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Ja, ihre Darstellung der verschiedenen Protagonisten ist einfach atemberaubend. Sie bringt die Menschlichkeit der Figuren wunderbar zum Ausdruck. Es klingt vielleicht banal, aber sie sind durch und durch menschlich, mit ihren Schwächen, ihrer Gutmütigkeit, ihrer Liebe, ihrer Schönheit, ihrer Dummheit, ihren typisch französischen Eigenheiten und ihren kitschigen Liedern. Poelvoorde brilliert, wie zu erwarten war, in dieser Kunst wie Er hatte uns bereits im letzten Jahr mit Auf den Posten! und bietet absolut kultige Szenen, die jeder seinen Freunden zeigen möchte, sobald er die DVD bei FNAC gekauft hat, nachdem er den Film im Kino mit seiner Freundin, seiner Großmutter, seinem Hund, seiner Nachbarin und ganz allein gesehen hat. Dabei singt er A.I.E. Verdammt noch mal. Au, au, au.
Müsste man den Film mit einem Wort zusammenfassen, wäre es dieses: «Zärtlichkeit». Die Geschichte mag zwar sehr lustig sein, die Eltern sehr originell, bleibt dennoch die Tatsache, dass der Zuschauer den Saal mit Sternen in den Augen verlässt, beeindruckt von der Zuneigung eines großen Bruders zu seinem jüngeren Bruder, von der Zuneigung ausgefallener, aber liebevoller Eltern und von der Zuneigung einer Tochter eines „Idioten“, die nur durch ihren Status etwas Edles an sich hat. Der Film nutzt geschickt die Ader der Romeo und Julia in einer modernen, aber bescheidenen Art und Weise, die jugendliche Leidenschaft, die darin zum Ausdruck kommt Venedig liegt nicht in Italien kommt direkt aus dem Herzen von Serge Reggiani, einem Künstler, den man nicht vergisst.
Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com
Bildnachweis: © Frenetic Films
| Venedig liegt nicht in Italien |
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| FRANKREICH, 2019 |
| Regie: Ivan Calbérac |
| Drehbuch: Nach dem Werk von Ivan Calbérac |
| Dolmetschen: Benoît Poelvoorde, Valérie Bonneton, Helie Honnat, Eugène Marcuse und Coline D’Incat |
| Produktion: Isabelle Grellat Doublet, Eric Altmayer und Nicolas Altmayer |
| Verteilung: Frenetic Films |
| Dauer: 1h35 |
| Ausgehen: 29. Mai 2019 |
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