Narzissmus, eine unauffällige Gewalttat
Jeden Monat liefert der Youtuber Ralph Müller seine bitterböse Analyse eines typischen Zeitphänomens. In diesem Monat beschäftigt er sich mit dem Wesen des Narzissmus und seiner zeitgenössischen Form.
Wenn man an Gewalt denkt, denkt man gewöhnlich an spektakuläre Gewalt, die die Triebfedern ihrer Inszenierung in sich birgt. Aber es könnte durchaus sein, dass die diffuseste Gewalt im Westen nicht von dieser Art ist. 1979 veröffentlichte Christopher Lasch "The Culture of Narcissism". Darin analysierte er den Wandel der amerikanischen Gesellschaft, der durch einen Rückgang der kollektiven Werte zugunsten eines übersteigerten Individualismus gekennzeichnet ist.
«Geplagt von einer vagen Unzufriedenheit und einem Gefühl der inneren Leere», schrieb Lasch, sucht der Einzelne seinen Frieden in der Fata Morgana eines Spiels der Blicke. In einer feindlichen, wettbewerbsorientierten und orientierungslosen Welt auf sich allein gestellt, ist die eigene Selbstverwirklichung eine Last, die man nicht zu tragen vermag.
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