Bücher am Dienstag - Jonas Follonier
Vermischt die Fotografien von Patrick Gilliéron Lopreno und die Texte von Slobodan Despot, Felder beleuchtet das Schicksal des heutigen Schweizer Bauern. Das Buch, das am 11. März bei Olivier Morattel erschienen ist, ist ein brillantes künstlerisches und menschliches Abenteuer an der Grenze zwischen Realismus und Romantik.
«Noch vor zwei Generationen war die Schweiz eine bäuerliche Welt. Jetzt, in einem immer engeren, immer betonierteren Gebiet, ist jeder Bauer eine Welt für sich. Dennoch fahren sie trotz aller Schwierigkeiten und trotz der Einsamkeit fort, die Erde zu bebauen und das Lebendige im Wechsel der Jahreszeiten zu züchten. Es handelt sich nicht mehr um einen Beruf oder ein Milieu. Es geht um ein Schicksal.» So singt die Rückseite eines ebenso ungewöhnlichen wie eleganten Objekts, bei dem es gerade der Einband wert ist, notiert zu werden. Es ist aus grauem Stoff gefertigt, hat einen geprägten Titel und ist das bescheidene und vielversprechende Schaufenster eines Kunstbuchs mit einem erstaunlichen Layout (24×33 cm mit vielen weißen Stellen, die wie Stille wirken).
Man taucht mit den Noten Vivaldis und den Worten Slobodan Despots in das Innere ein und folgt den vier Jahreszeiten. Die Worte des Letzteren sind natürlich auch Noten, denn der Romancier, Journalist und Verleger geht mit der Musikalität der Sprache um wie nur wenige Nachahmer in unseren Breiten oder anderswo. Persönliche Anekdoten und spirituelle Reflexionen verbinden sich zu einer fröhlichen Begleitung der Fotografien von Patrick Gilliéron Lopero, die das Schweizer Mittelland und die Menschen, die das Land ernähren, die Bauern, einfangen.

Die Bauern, ihre Landschaften und ihre Werkzeuge werden dem Leser-Zuschauer im Panoramaformat präsentiert, d. h. doppelt so breit wie üblich. Dieses Format verdanken wir der legendären Hasselblad XPAN-Kamera mit einem Silberfilm. Despots Texte bereichern den freien und inspirierten Blick auf Loprenos wunderschöne Aufnahmen, wie die köstliche Beschreibung der winterlichen Ebenen:
«Seit Anbeginn der Zeit erfüllt der Winter seine Aufgabe als Brutkasten. Die Natur schläft nicht, sie verschwört sich. Unter der gefrorenen Kruste stellt sie heimlich ihre Truppen für den Angriff im Frühling auf. Der Neigungswinkel der Sonne, eine leichte Erwärmung oder was auch immer das Stichwort ist, wird das Signal zum Manöver geben. Von da an kann die aufsteigende Invasion nicht mehr aufgehalten werden».»

Die verschiedenen Jahreszeiten folgen aufeinander und mit ihnen die gut 100 Seiten. Man kann die Schatten der Bäume in der Abenddämmerung bewundern, den Himmel über einsamen Wegen, die von der Strömung geneigten Ähren, die Silhouetten von Tieren am Horizont und vor allem natürlich die Helden des Alltags mit ihrer gegerbten Haut, ihrem tiefen Blick und ihrer nackten Wahrheit. Man versteht, dass Patrick Loprenos fotografische Arbeit die gleichen Ressourcen benötigt wie die landwirtschaftliche Arbeit: Licht und viel Mühe.

Am Ende stellt man fest, dass die Romantik, zu der sich Slobodan Despot in seinen Betrachtungen hinreißen lässt, insbesondere durch das, was als Idealisierung der Figur des Bauern aufgefasst werden könnte, unweigerlich mit dem Realismus kollidiert, den sich die beiden Freunde als philosophischen Kompass für die Behandlung ihres Themas gesetzt haben. Dieses Paradoxon ist jedoch insofern kein Problem, als Romantik und Realismus, Nostalgie und Klarheit, Vergangenheit und Gegenwart gemeinsam erlebt werden können. Dies setzt lediglich ein sehr hohes Maß an Sensibilität voraus. Zweifellos Felder in allen seinen Ecken und Winkeln.
Beachten Sie, dass eine Ausstellung «FELDER» findet derzeit in der Galerie «L'Atelierphoto» in Nyon statt. Sie zeigt die schönsten Fotografien aus dem gleichnamigen Buch. Zu sehen bis zum 23. Mai.
Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com
Fotonachweis: © Patrick Gilliéron Lopreno

Patrick Gilliéron Lopreno (Fotografien) und Slobodan Despot (Texte)
Felder
Olivier Morattel Herausgeber (Frankreich)
2021
128 Seiten