«Ballerina»
Mittwochs im Kino - Loris S. Musumeci
«Träume werden nicht wahr. Sie sind nur Hirngespinste. Das Leben ist gnadenlos.»
Das bekommen Félicie und Victor täglich zu hören. Die beiden bretonischen Waisenkinder träumen jedoch davon, dem alten Kloster in Quimper zu entfliehen und nach Paris zu fliegen, um dessen Magie zu erleben. Sie sieht sich bereits als Stern an der Opéra Garnier glänzen; er möchte der größte aller Erfinder werden.
Die Ballette der majestätischen Kunstinstitution strahlen in ganz Europa aus. Der Ingenieur Eiffel entwirft ein bestimmtes Projekt für einen Turm im Stadtzentrum, der sich noch im Bau befindet, oder für die berühmte Statue, die zum Symbol von Übersee wird. Wir befinden uns im glorreichen Paris, das in den 1880er Jahren vor Charme sprüht und mit der neuen Architektur des Barons Hausmann geschmückt ist.
Die Mutter Oberin hat zwar Mitleid mit den beiden Kindern, aber kein Verständnis für ihre Hoffnungen. Der dicke, schnurrbärtige Aufseher, der immer auf der Lauer nach Fluchtversuchen liegt, scheint ihren tiefen Wunsch zu erspähen; seine Rolle ist jedoch die einer Panzertür, und nur das.
Die Nacht des großen Aufbruchs kommt: Félicie und Victor, fröhlich listig, verlassen endlich das Waisenhaus, nicht ohne Hindernisse. In Paris gelandet, mit Augen, die von der Größe seiner Denkmäler und dem hellen Feuer seines Lebens eingefangen werden, werden sie schnell getrennt: Victor rutscht tatsächlich von einer Brücke in einen Kahn auf der Seine. Er ruft seiner Freundin zu, sie solle ihn am nächsten Tag am selben Ort und zur selben Zeit treffen.
An einem Tag gelingt es dem Jungen, von einem Umstand zum nächsten zu gelangen und als Allround-Assistent bei dem Erfinder Eiffel angestellt zu werden. Félicie, die staunend und ängstlich durch die Straßen der Metropole läuft, findet ihre erträumte Oper. Sie schleicht sich durch die Eingänge und erblickt auf der Bühne die strahlende Rosita Mauri, die den «Schwanensee» tanzt. Die Komplikationen lassen nicht lange auf sich warten, denn die Kleine wird entdeckt und muss sofort fliehen. Wird es ihr gelingen, sich in eben diesem Theater zur bewegten Rose zu erheben?
Die franko-kanadische Regie unter der Leitung von Eric Summer und Eric Warin zeichnet einen Animationsfilm, der technisch jeder berühmten amerikanischen Firma würdig ist. Die Bilder sind exzellent, die Figuren präzise und subtil, die Szenerie fein ausgearbeitet. Paris, das bis in die Details des Gebäudes des Trocadero-Palastes nachgebildet wurde, bietet ein wunderbares Schauspiel, das nach altem Frankreich duftet.
Die Geschichte ist auch schön. Sie bietet dem kindlichen Publikum edle Unterhaltung, eingebettet in Balletttanz für eine gute Hälfte des Films und natürlich in ebensolche Musik. Auch die Sprache ist sehr gepflegt, von «Straßenlaternen» über «jedoch» bis hin zur Umkehrung von Subjekt und Verb bei der Fragestellung.
Ein wahrer Traum, vermischt mit einer Lektion über Mut und einer Lobpreisung der Ansprüche, den Ballerina. Er ist derzeit einer der wenigen Animationsfilme, die ihren Zuschauer hochheben, egal wie klein und unschuldig er auch sein mag.
«Der Tanz ist ein Teil von mir. Er hilft mir zu leben».»
Schreiben Sie dem Autor : loris.musumeci@leregardlibre.com
Bildnachweis : AlloCiné
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