«Morgen und alle anderen Tage»: Wenn die Liebe mehr versteht als sie verändert
Les mercredis du cinéma - Hélène Lavoyer
In Morgen und alle anderen Tage, Noémie Lvovsky spielt eine Mutter, die langsam dem Wahnsinn verfällt. Sie ist beeindruckend und liefert eine grandiose, wahrhaftige und überwältigende Leistung ab.
Noch unter zehn Jahren ist Mathilde - gespielt von Luce Rodriguez - ein Kind, das selten ein Lächeln ihr Gesicht erhellen lässt. Als die erste Szene beginnt, steht die Hektik eines Schulhofs im Kontrast zu der Kleinen. Im Gegensatz zu all ihren Mitschülern ist Mathilde allein. Sofort wird klar, dass sie für die nächsten eineinhalb Stunden unsere Heldin sein wird.
La maman de Mathilde (Noémie Lvovsky) fait rire, à sa première apparition à l’écran. Son regard incertain virevolte dans le bureau de la conseillère scolaire de sa fille. La main de Mathilde vient à la rencontre de sa mère, comme pour lui donner courage ; elle ose une parole : « Je ne me souviens plus pourquoi nous sommes là. » Et son visage s’éclaire soudain. Elle n’a pas trouvé pourquoi elle se tient dans ce bureau, non ; mais elle a pu apercevoir, par la fenêtre, un nid d’oiseau au creux des branches, et ne peut s’empêcher de le montrer à Mathilde qui, pour ce faire, doit monter sur le bureau.
Damals zeichnete sich zum ersten Mal ein Lächeln auf dem jungen Gesicht ab. Die Hand ihrer Mutter hält Mathilde oft. Oder besser gesagt, sie zieht sie, und zwar mit dem ganzen Körper dieser Mutter, die nicht weiß, wie eine wie alle anderen zu sein. Sie folgt ihrer Tochter, verloren in den Wellen der Emotionen, die sie überschwemmen, wie am Tag von Mathildes Solo im Chor, als sie nicht anders konnte, als zu ihr auf die Bühne zu kommen und sie an die Knie zu drücken, als würde sie die Unendlichkeit anflehen, nur für diesen einen Moment zu existieren.
Die neunjährige Mathilde isst, macht ihre Hausaufgaben, unterhält sich und tut so ziemlich alles, was man von einem Kind in ihrem Alter erwarten würde. Der Unterschied ist, dass Mathilde Tochter und Mutter zugleich ist. Die Mutter ihrer Mutter, die Mutter ihrer eigenen Person, und dann die Tochter ihrer Mutter, ja, und dann ein Mädchen, das in den Augen der anderen klein ist. Doch die Einsamkeit ihres Lebens unterbricht nicht das offensichtliche Band, das sie mit ihrer Mutter verbindet, und die klaren Momente der Mutter reichen aus, um ihr Strahlen hervorzurufen.
Un jour, la mère attend sa fille à la maison. Posé sur la table, près de la fenêtre, un grand paquet. Une fois son contenu ouvert, le quotidien de Mathilde s’en voit changé, et sa chouette deviendra son premier ami. Grâce à l’animal, Mathilde peut garder pied à terre tout en préservant sa fantaisie. Il devient son confident, son moyen de rester saine. À la façon d’un guide qui serait une partie d’elle-même, l’oiseau réconforte mais aussi chamboule sa nouvelle amie, en la forçant à regarder en face une vérité qu’elle ne veut pas voir : la folie de sa mère.
Mathilde est l’héroïne de sa propre histoire. L’un de ces trajets de vie déchirants mais communs, que souvent le cinéma ne sait pas raconter. Il arrive cependant de rencontrer, quelquefois dans une vie, des personnages qui communiquent une telle réalité que l’on ne peut faire autre chose que de sentir, à travers eux, la profondeur de l’histoire qu’ils nous content. C’est exactement cela que l’on peut trouver dans Morgen und an allen anderen Tagen, mit an Luce Rodriguez. Vorausgesetzt, Sie fühlen und urteilen nicht.
Aus diesem Grund ist es schwierig, einen solchen Film zu kritisieren. Im Gegensatz zu Vorführungen, bei denen es um ein Spektakel geht, geht es hier um Banalität; wo manchmal Sentimentalität ins Oberflächliche abrutscht, bricht bei Mathilde die Realität aus dem Herzen. Eine banale Geschichte, der sich jeder nahe fühlen kann, weil er weiß, weil er gewusst hat, manchmal sogar weil er es nicht wissen möchte. Dann kann man sich erlauben, die Qualität der Kameraeinstellungen, der Dialoge oder der Schauspieler zu beurteilen, aber man kann kein Urteil über die Geschichte selbst fällen.
Dans ce septième long métrage de Noémie Lvovsky, où l’on traite d’amour, de maternité, de courage et de folie, le cœur vacille et tombe vite dans les émotions les plus vives. La réalisatrice le dit : « Le premier chagrin du monde, c’est la perte de notre mère. Même si elle est toujours là, quelque chose d’elle est déjà perdu. » Ainsi, Mathilde subit la perte de sa mère de différentes façons. D’abord, c’est son regard qu’elle perd. Celui-ci fixe insensiblement un coin de la chambre, se perd et finit par ne plus rien regarder. Puis s’en va sa main, qui pourtant étreignait la sienne il y encore peu de temps… enfin s’évanouit sa présence physique, lorsque sous l’aile de son ex-mari et père de Mathilde, incarné par Mathieu Amalric, elle se nichera en hôpital psychiatrique.
Dieser Vater ist allgegenwärtig; noch immer verliebt, aber in eine dieser erschöpften Lieben, noch immer ganz erfüllt von Zärtlichkeit für diese seltsame und liebenswerte Frau. Als Beschützer wacht er über Mathilde und ihre Mutter durch das Kind, wie ein unsichtbarer Wächter. In dieser kleinen Rolle ist Mathieu Amalric genau richtig, seine Gesten sind sanft, sein Auge aufmerksam. Man glaubt ihm und liebt die plakative Übereinkunft, die ihn noch mit seiner Ex-Frau verbindet, nämlich die, dass es in erster Linie um Mathilde geht. Und Luce Rodriguez, unsere Mathilde, ist in ihrem Zorn, ihren Geständnissen, ihren Enttäuschungen und ihrem Temperament so wahrhaftig, dass manch einer zu glauben beginnen wird, dass es keine Schauspielerin gibt.
Im Kinosaal erhoben sich einige Lacher und durchbrachen die Stille, die sich dort breit gemacht hatte. Morgen und alle anderen Tage ist ein Plädoyer für die Hoffnung, eine Ovation an die Liebe und eine Feststellung der Realität. Auch hier ist es schwierig, darüber zu urteilen. Die besten Eindrücke sind die, die man selbst erlebt, und davon bietet dieser Film reichlich. Immer unter der Bedingung, dass man mit dem Herzen schaut.
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Fotocredit: © AlloCiné
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