«Diamantino»: eine willkommene naive Unschuld
Neuchâtel International Fantastic Film Festival (NIFFF) - Hélène Lavoyer
Ist Portugal der Gewinner der Weltmeisterschaft? Diese Frage stellte sich am NIFFF während des Endspiels in Russland in dem Film Diamantino, Der Film erzählt die fantasievolle Geschichte des gleichnamigen Fußballspielers. Wir haben diesen Spielfilm von Gabriel Abrantes und Daniel Schmidt mit Staunen entdeckt.
Die riesigen Welpen Diamantino, der bei den Spielen normalerweise an seiner Seite herumtollte, sieht sie nicht mehr. Diese gespenstischen Halluzinationen, die ihn auf den Rasenflächen der größten Stadien der Welt überkamen, verschwinden mitten im WM-Finale. Er, der beste aller Spieler, Stolz und Glück seiner Familie, verliert dieses entscheidende Spiel für seine Karriere und die portugiesische Nation. Nach dem Tod seines Vaters übernehmen Diamantinos Schwestern die Rolle seines Agenten, um die Karriere ihres jüngsten Bruders zu managen.
Gleichzeitig ist er durch seine Begegnung mit Migranten einige Tage zuvor traumatisiert und beschließt, einen Flüchtling aufzunehmen, um Gutes zu tun, indem er ihm den Trost und die Liebe schenkt, die auch er selbst von seinem Vater erfahren hat – während sich nach und nach eine Bindung entwickelt, die dem Zuschauer durch Diamantinos Off-Kommentar und die Bilder auf der Leinwand offenbart wird. Die Absichten seiner neuen Trainer Die tyrannischen Absichten werden nun deutlich: Sie verkaufen den Leichnam ihres Bruders an eine Wissenschaftlerin, um dem portugiesischen Nationalismus zu dienen.
Doch Diamantino ist im Herzen und in der Seele unschuldig, ohne Hintergedanken und ohne Erwartungen. An der Seite von Rahim, einer verdeckten Ermittlerin, die sich als Flüchtling ausgibt, entdeckt er die Liebe und offenbart sich endlich ganz und gar. Ein sanftes und fesselndes Abenteuer, belebt durch gegensätzliche Figuren, die uns anwidern – wie die gierigen Zwillinge – oder uns einladen, die Schönheit der Naivität und der Kampfbereitschaft zu entdecken, mit Figuren wie Diamantino oder Rahim.
Nach den zahlreichen Spielfilmen im Stil von Thriller oder Horrorfilme, die beim NIFFF gezeigt wurden, Diamantino erweist sich als eine Wohltat für Augen und Herz zugleich, als Balsam, der es uns ermöglicht, dem Korsett der Realität und der Schwere der aktuellen Ereignisse zu entfliehen, uns ihnen aber gleichzeitig durch eine Art Satire und eine Botschaft der Toleranz und Liebe wieder näherbringt.
Die Figur des Diamantino erinnert uns daran, dass wahre Tugend im Staunen, in der Neugier und in selbstloser Güte sowie in der Vergebung liegt. Er beleuchtet zudem aktuelle Themen wie den Aufstieg des Nationalismus in den Ländern Europas und verleiht ihnen dabei eine Science-Fiction-Dimension, die dennoch nah genug an der Realität ist, dass wir uns darin wiedererkennen können. Ein kleines Juwel.
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Schreiben Sie dem Autor : helene.lavoyer@leregardlibre.com
Fotocredit: © NIFFF
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