«Five Fingers for Marseilles»

2 Leseminuten
geschrieben von Loris S. Musumeci · 22. März 2018 · 0 Kommentare

Internationales Filmfestival Freiburg - Loris S. Musumeci

«Wir müssen uns bewaffnen; sie müssen uns fürchten.»

Marseilles, ein Dorf in Südafrika, in dem «fünf Kinder für die Freiheit kämpften». Weiße Polizisten verbreiteten Angst und Schrecken. Einer der fünf, Tau, lernte zu töten; aus Rachegelüsten, aus Durst nach Gerechtigkeit. Er landete im Gefängnis. Zwanzig Jahre später wurde er entlassen und kehrte ins Dorf zurück. Die Situation hat sich kaum verbessert. Die Bürger leben in dem ständigen Schmerz, dass ihr kleines Marseilles an der Korruption erstickt.

Die Polizisten sind keine Engländer mehr. Sie sind jedoch nach wie vor genauso ineffektiv wie die kolonialen Ordnungskräfte früherer Zeiten. Gegenüber dem Volk sind sie hart und streng; aber gegenüber der Mafia zittern sie wie Espenlaub. Die besagte Gruppe von Kriminellen wird von Sepoko angeführt, einem grausamen Mann mit einem Glasauge. « Ich kann der Teufel sein. Und ich kann der Messias sein», sagt er mit einer langsamen, dunklen und gebrochenen Stimme. Sein mystisches Auftreten macht ihn umso furchteinflößender. Tau lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken. Er hat den Horror hinter Gittern erlebt und ist bereit, sein Dorf zu befreien, auch wenn es Blut kostet. Dickes, reiches Blut.

Ein afrikanischer Western

Wer ist der Held? Wer sind die Schurken? Das Drehbuch knüpft an die größten Westernklassiker an und wägt Gut und Böse gegeneinander ab. Der südafrikanische Regisseur Michael Matthews filmt in traditioneller Weise weite, trockene Landschaften. Wilde Blicke, Cowboyhüte und blitzschnell gezogene Waffen sind ebenfalls mit von der Partie. Ein ganz und gar afrikanischer und zeitgenössischer Touch kommt in der unterschwelligen sozialen Botschaft hinzu, die ein postkoloniales, schmutziges, verzweifeltes Land beweint.

Die Fotografie vollbringt keine Wunder. Die bittere und menschenleere Landschaft trägt jedoch zur Beklemmung bei, die die Geschichte auslöst. Die langsamen Schritte der Figuren, das Umkreisen von Gegnern und das Auftauchen von Überraschungen verleihen einigen Szenen den Charakter eines Totentanzes. Was das Schauspiel betrifft, so ist das von Sepoko besonders beeindruckend. Wenn er schreit, schließt sich der Himmel und der Saal bebt.

Im Aufbau der Handlung hat die Langsamkeit zwar einen künstlerischen, aber auch einen stark langweiligen Anteil. Durch die vielen Wendungen und Abweichungen von der Haupthandlung glaubt der Zuschauer mehrmals an ein Ende, das aber nie zu kommen scheint. Ist es einmal da, ist es bedauerlich, dass der Kern des Themas erst eine Viertelstunde früher auftaucht. Die Ungeschicklichkeiten sind also eklatant, obwohl nichts von Five Fingers for Marseilles das Verdienst, dem Genre des Westerns Tribut zu zollen und das städtebauliche und soziale Elend der südafrikanischen Peripherie zu thematisieren.

« - Sie bekämpfen die Bösen.
- Ich bin ein Bösewicht».»

Schreiben Sie dem Autor : loris.musumeci@leregardlibre.com

Fotocredit: © Five Fingers for Marseilles

Einen Kommentar hinterlassen