Banken im Exil: Wie europäische Großbanken von Steueroasen profitieren

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geschrieben von Lea Farine · 03 April 2017 · 0 Kommentare

Les lundis de l'actualité - Léa Farine

Die Bericht die von Oxfam, der weltweiten Bewegung zur Bekämpfung der Armut, veröffentlicht wurde, zeigt das massive Phänomen der Steuervermeidung auf, das von den großen europäischen Banken praktiziert wird. Diese Informationen sind nicht schwer zu bekommen. Denn seit der letzten Finanzkrise wurde von den EU-Ländern eine Maßnahme namens «öffentliche länderbezogene Berichterstattung» verabschiedet. Sie hat «das Ziel, die Banken gegenüber den Bürgern transparenter und rechenschaftspflichtiger über ihre Aktivitäten zu machen».

Darin heißt es zum Beispiel: «Die 20 größten europäischen Banken geben jeden vierten Euro ihrer Gewinne in Steueroasen an, das sind insgesamt 25 Milliarden Euro im Jahr 2015». Die Folge ist: «Die europäischen Banken zahlten 2015 keinen einzigen Euro Steuern auf 383 Millionen Gewinne in Steueroasen.» Für die Staaten muss dieser Steuerausfall jedoch ausgeglichen werden, z. B. durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer, die die ärmsten Bevölkerungsschichten direkt trifft.

Steuerhinterziehung ist nicht illegal. Wenn man bedenkt, dass die einzige Funktion von Banken und Unternehmen im Allgemeinen darin besteht, Gewinne zu erwirtschaften, ist es sogar normal, dass sie alles daran setzen, dies zu erreichen. Multinationale Unternehmen sind jedoch keine «leeren Hüllen». Es ist immer gut, daran erinnert zu werden: Banken florieren dank des von den Bürgern angelegten Geldes, und Unternehmen können nicht wachsen, wenn niemand die Produkte oder Dienstleistungen, die sie anbieten, kauft. Aus diesem Grund sind öffentliche Informationen, die durch Berichte wie den von Oxfam zur Verfügung gestellt werden, so wertvoll. Wenn wir wissen, dass und in welchem Umfang eine bestimmte Bank Steuervermeidung betreibt, steht es uns frei, sie nach unseren eigenen ethischen Erwägungen zu boykottieren, indem wir unser Geld anderswo anlegen, oder uns politisch, sei es konkret oder durch Abstimmungen, für mehr staatliche Auflagen einzusetzen.

Nun ist die Berichterstattung zwar für Banken verpflichtend, aber nicht für alle Unternehmen. Oxfam meint: «Wenn Steuervermeidung wirksam bekämpft werden soll, muss die Europäische Union sicherstellen, dass diese Transparenzpflichten auf alle großen Unternehmen ausgeweitet werden, für alle Länder, in denen sie tätig sind, und ohne Ausnahme! Denn Transparenz und Information ermöglichen Wahlfreiheit, die unumgängliche Grundlage einer gerechten und wirklich demokratischen Gesellschaft. Es liegt dann an uns, diese Informationen zu berücksichtigen oder nicht, zu handeln oder nicht... Diesmal in voller Kenntnis der Sachlage.

Schreiben Sie dem Autor : leafarine@gmail.com

Fotocredit: © Oxfam Frankreich

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