«Dark is the Night»
Internationales Filmfestival Freiburg - Loris S. Musumeci
« Während meiner Amtszeit werde ich dem Drogenproblem ein Ende setzen.»
Lando (Phillip Salvador) singt beim Karaoke ein fröhliches «Happy Birthday to you!». Sarah (Gina Alajar), seine Frau, lacht. Alan (Felix Roco), ihr Sohn, verschmilzt mit den wenigen anderen Freunden, die zu diesem Anlass anwesend sind. Plötzlich wird die Party durch Schüsse unterbrochen. Die Polizei rennt auf die Straße. Ein Junge flüchtet, wird aber sofort erschossen. Die Menge versammelt sich um den Toten. Die Mutter des Opfers eilt herbei. Sie schreit vor Verzweiflung: «Mein Sohn ist drogenabhängig, kein Dealer!». Am Boden zerstört.
Nach den Ereignissen des Vortags raten Lando und Sarah ihrem einzigen Sohn, der Drogen konsumiert, zu größter Vorsicht. Außerdem hat das Paar beschlossen, sich aus einem Mafia-Kreis in deal. Letzterer nutzt die prekäre Lage aus, um diskrete Helfer im Drogenhandel zu finden. Das Risiko ist doppelt so groß: zum einen der unerbittliche und gnadenlose Kampf von Präsident Duerte und zum anderen die kriminelle Gruppe, die sie verlassen haben und die ihnen nun keinerlei Schutz mehr bietet. Der Tag der Gefahr ist noch nicht einmal vorbei, da verschwindet Alan bereits. Seine Eltern suchen ihn panisch überall in ihrem trostlosen Slum in Manila.
Ein Kino, das von der Erfahrung getragen wird
Dark is the Night vereint all jene Elemente, die dem Film Substanz und Kraft verleihen. Sein Regisseur, Adolfo Borinaga, hat sich in der Tat bereits einen Namen im philippinischen und sogar im asiatischen Kino gemacht. Mit seinen neununddreißig Jahren hat sich sein Beobachtungsgeschick durch zahlreiche Produktionen weiterentwickelt, die ihm fundierte Erfahrung verliehen haben. Sowohl beim Ton als auch beim Bild dienen die Details treu einem ernsten und aktuellen Thema, nämlich Duterte’s bedrohlichem Vorgehen gegen Drogen.
Während des gesamten Films dröhnt die Stimme des Präsidenten aus dem Radio. Er spricht direkt in der ersten Person und schleudert Sätze wie «Ich werde euch umbringen», «Schämt euch» und «Ich werde euch finden» an den Zuschauer. Der Ton ist von Anfang an vorgegeben, ebenso wie sein Rhythmus. Ununterbrochen wird der Zuschauer von dieser lauten, diktatorischen und knisternden Stimme begleitet. Sie hüllt den Spielfilm in permanente Angst. Keine Atempause – Tag und Nacht können die Milizen von Duerte einen erwischen, wer auch immer man ist, wo auch immer man sich befindet.
Eine Kamera auf der Schulter für einen dokumentarischen Effekt
Die Kamera fängt gekonnt Nahaufnahmen der verängstigten Gesichter ein, insbesondere das von Sarah, auf dem ihre ständigen Schweißperlen zu sehen sind. Darin liegt jedoch nicht die größte filmische Kunstfertigkeit. Es ist die Schulterkamera, die dem Thema am besten dient. Ob im Laufschritt oder mit schnellen Schritten folgt sie den Protagonisten, manchmal zitternd, immer unruhig. Ganz offensichtlich verleiht dies dem Dark is the Night ein durchaus legitimer dokumentarischer Ansatz. Zudem werden die Aufnahmen mehrfach aus einem versteckten Winkel gemacht, wodurch ein Hindernis ins Bild gerät, das die Tarnung noch verstärkt. Sarah und Lando scheinen somit beobachtet und ausspioniert zu werden.
Was das Thema an sich betrifft, so kann es einen nur berühren und empören. Natürlich ist die Politik von Duerte blutrünstig; sie verdient es, angeprangert zu werden. Gleichzeitig schildert Borinaga aber auch das Dilemma der armen Menschen in den Slums: Um finanziell zu überleben, müssen sie Dealer, aber in dealend, schwebt sie jeden Augenblick in Lebensgefahr. Auch die Korruption der Polizisten bleibt in der Handlung nicht unberücksichtigt.
Übermäßig anprangern
Dennoch will der Film so viel zeigen, sagen, anprangern und lautstark zum Ausdruck bringen, dass er dabei ins Übertreibende abgleitet. Dieser Fehler zeigt sich unmittelbar im Schauspiel der Darsteller und in der Gestaltung der Handlung, vor allem am Ende. Schon in der Eröffnungsszene gab es eine namenlose Mutter, die um ihren verstorbenen Sohn trauerte. Doch im Verlauf der Handlung vermehren sich diese Mütter, Ehefrauen und Großmütter, bis sie die Hauptfamilie in den Schatten stellen.
Leider fällt es schwer, diese Flut an Elend zu ertragen, ohne dabei auch nur einen Hauch von Ermüdung zu verspüren. Zudem schüttet jeder seine Traurigkeit und sein Gefühl der Ungerechtigkeit angesichts des Unterdrückungsregimes so sehr aus, dass es schon fast erbärmlich, rührselig und karikaturhaft wirkt. Mehr Nüchternheit, Schlichtheit und Gelassenheit im Schauspiel hätten dem Film, der zahlreiche Qualitäten aufweist, besser getan. Ohne seine Mängel übermäßig hervorzuheben, Dark is the Night verliert an Kraft; doch seine Botschaft bleibt in den Augen und in den Adern eingeprägt.
«Ihr seid verbannt.»
Schreiben Sie dem Autor : loris.musumeci@leregardlibre.com
Bildnachweis: © Dark is the Night
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