«Eine Familienangelegenheit» - ein großer Film trotz Langeweile

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geschrieben von Loris S. Musumeci · 19. Dezember 2018 · 0 Kommentare

Mittwochs im Kino - Loris S. Musumeci

Eine Familienangelegenheit, Die Geschichte von Osamu ist eine Familiengeschichte, eine Geschichte von Diebstählen, eine Geschichte von Zärtlichkeit und eine Geschichte von Geheimnissen. Osamu ist das Oberhaupt einer fünfköpfigen, benachteiligten Familie, die in einem Zimmer lebt, das wie ein Rattenloch aussieht. Als ehrlicher Mann arbeitet er nicht nur täglich an maßvollen Einbrüchen, sondern bildet auch seinen Sohn in dieser Tätigkeit aus. 

Auf dem Rückweg von einem kleinen Raubzug, bei dem sie sich ein paar leckere Kroketten leisten konnten, finden Vater und Sohn ein kleines Mädchen, das allein auf der Terrasse sitzt. Die Kleine ist so niedlich, dass sie von den beiden mitgenommen wird. Zu Hause ist sie die Freude aller und will nicht mehr zu ihren Eltern zurück, die sie misshandeln, aber das kann nicht ewig so weitergehen. 

Der Film gewann bei den Filmfestspielen in Cannes die Goldene Palme. Und das ist eine schöne Palme, sagt man. Tatsächlich muss der japanische Regisseur Hirokazu Kore-eda innerhalb der siebten Kunst nicht mehr viel beweisen. Er wird geliebt, weil sein Kino die Herzen über die Intelligenz und nicht ausschließlich über die Gefühle erreicht. Außerdem lädt er seine Feder als Drehbuchautor mit einem unerschöpflichen und universellen Thema, nämlich der Familie. 

Eine Familienangelegenheit hat noch viele andere Qualitäten, die über seine Palmen-Aura hinausgehen. Das Spiel mit den Klängen rhythmisiert die Abfolge der Handlungen, ohne sie schneller oder langsamer zu machen oder die Atmosphäre der Szene vorzugeben. Musik und Geräusche dienen lediglich als Träger des Bildes, das seinerseits im Mittelpunkt steht. Es ist vor allem durch seine Beleuchtung zentral. Sie sind überwältigend. Von der weißen Sonne über die nächtliche Dunkelheit bis hin zum feuchten, grünlichen Licht eines verregneten Japans - die Fotografie ist ein wahrer Genuss. 

Auf der Seite des Themas gibt es keine Innovationen, aber viel Talent, die Familie mit einer überschwänglichen Freude zu artikulieren, die Teil ihrer Identität zu sein scheint. Das materielle und moralische Elend umhüllt die Familie vollständig, und dennoch gibt es viel Lachen, Unbeschwertheit, Lächeln und Frieden. Trotz allem hat der Film eine zweite, weniger heitere Hälfte, die meiner Meinung nach in einen filmischen Misserfolg umschlägt. Wenn Eine Familienangelegenheit der große Film eines großen Regisseurs ist, ist der letzte Teil des Films doch sehr langweilig. Schade, aber behalten Sie diese letzte Bemerkung für sich, das ist eine Familienangelegenheit.  

Schreiben Sie dem Autor : loris.musumeci@leregardlibre.com

Fotocredit: © Cineworx

EINE FAMILIENANGELEGENHEIT
Japan, 2018
Regie: Hirokazu Kore-eda
Drehbuch: Hirokazu Kore-eda
Dolmetschen: Lily Franky, Sakura Andô, Mayu Matsuoka, Kiki Kirin, Kairi Jyo, Miyu Sasaki
Produktion: Fuji Television Network, GAGA Communications, Ali Pro Inc.
Verteilung: Cineworx
Dauer: 2h01
Ausgehen: 12. Dezember 2018

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