Dialog mit Mots du Marquis, Wurmdestillator auf Instagram
Der Autor Pierre-Nicolas Marqués, alias Mots du marquis. Foto: PEJ
Pierre-Nicolas Marqués streift durch die Straßen, um Unbekannten Sätze zu schenken, die reparieren, und sät Poesie in der digitalen Welt. Der Künstler 2.0 spricht über sein Schaffen und seinen Weg zur Musik mit Erschossene Liebe.
Ich lernte Pierre-Nicolas Marquès alias Mots du Marquis vor einigen Jahren zufällig auf der Terrasse eines Cafés kennen. Er hatte gerade sein erstes Buch veröffentlicht, einen Reisebericht über seine Radtour durch die Pyrenäen für die Stiftung Alzheimer Forschung, und ich träumte insgeheim davon, auch ein Buch zu schreiben. Damals hatte ich gerade meinen Instagram-Account mit Gedichten eröffnet. @lettres_dorees, Er hatte bereits eine grosse Community auf seiner Seite. @motsdumarquis. Et si 100’000 abonnés le suivent désormais au quotidien, le phénomène interroge: que cherche-t-on réellement dans ces mots virtuels? De la littérature, du réconfort, ou une forme nouvelle de réflexion, de présence à l’autre? Rencontre avec un auteur dont le succès interroge autant notre rapport à la poésie que notre rapport à nous-mêmes.
Le Regard LibreWarum haben Sie sich entschieden, Poesie in sozialen Netzwerken zu verbreiten? Als Ort des Augenblicks und der nicht immer gemessenen Worte denkt man nicht unbedingt daran, dass dieses Format dort ein Publikum finden könnte, doch Ihr Konto hat das Gegenteil bewiesen.
Worte des Marquis: Am Anfang hatte ich nie daran gedacht, mich in sozialen Netzwerken zu engagieren. Ich habe meine Texte lange Zeit in einem Notizbuch geheim gehalten. Aber eines Tages, als ich sie mit Freunden teilte, fasste ich endlich den Mut, meine Texte an andere weiterzugeben, bei denen meine Gedichte Resonanz finden könnten. Vor vier Jahren habe ich mich also auf den Weg gemacht. Poesie in Netzwerken ist ein Weg, sie zugänglich zu machen, sie zu entstauben und weniger elitär zu machen. Heute freue ich mich über die Begeisterung, die diese Videos und die zeitgenössische Poesie hervorrufen.
Glauben Sie, dass Ihr Erfolg und generell die Zunahme von poetischen Inhalten in sozialen Netzwerken etwas über unsere Zeit aussagt?
Die Poesie hat in den letzten Jahren ein grosses Comeback erlebt, vor allem bei den Jüngeren. Sie wird nicht mehr nur mit den grossen klassischen Autoren wie Victor Hugo oder Guillaume Apollinaire in Verbindung gebracht. Heute findet die zeitgenössische Poesie dank vieler Content Creators, die ich bewundere, ihren Weg in die sozialen Netzwerke, und das ist eine schöne Entwicklung. Die Menschen entdecken die Poesie in einem neuen, zugänglicheren Licht wieder, als Stütze in einer oftmals komplexen Welt. Die Poesie hallt dank dieser neuen digitalen Verbreitung in einem besonderen Echo wider, es schafft einen Raum, in dem man sich selbst finden kann, einen Trost und eine Pause, weit weg vom täglichen Trubel.
Einige der Texte, die Sie berühmt gemacht haben, sind manchmal recht unverblümt, wie Worte aus Ihrem Tagebuch: Welche Rolle spielt die Poesie in Ihrem Leben?
La poésie est avant tout une sorte de thérapie. J’écris pour me faire du bien. C’est un moyen de libérer des émotions, de poser des mots sur ce qui me traverse. Si mes écrits touchent d’autres personnes, c’est encore mieux. Mais avant tout, j’écris pour moi. Avec l’accueil du public, c’est devenu une aventure humaine. La poésie m’a permis de donner un sens à ma vie, un sens que je n’avais pas trouvé ailleurs.
Ihre Community ist es gewohnt, Sie als ziemlich optimistisch zu erleben, der in den Strassen von Paris herzerwärmende Worte von sich gibt, aber mit Amour Flingué («Erschossene Liebe»), Sie scheinen zu sagen, dass das Problem nicht die Liebe ist, sondern die Art und Weise, wie wir heute Beziehungen leben. Haben Sie sich mit der heutigen Liebe abgefunden?
Ich versuche zwar, mithilfe von Poesie positive Inhalte zu verbreiten, aber sie hat mir auch immer die Möglichkeit gegeben, harte Wahrheiten zu vermitteln. Mit Amour Flingué («Erschossene Liebe»), je prends volontairement le contre-pied de l’amour idéal, celui que tout le monde veut, mais que peu osent véritablement affronter. L’amour implique un investissement personnel, un travail sur soi. Avec ce morceau, je veux ouvrir les yeux sur l’amour tel qu’il est, avec ses imperfections et ses défis. Un clin d’œil à la Saint-Valentin, puisqu’il est sorti quelques jours avant le 14 février, comme une envie de faire tomber cette fête de son piédestal.
Hatten Sie das Gefühl, in diese neue Welt eindringen zu müssen, als ob die Poesie ihre Grenzen erreicht hätte, um Ihre Gefühle auszudrücken?
La poésie et la musique, c’est une histoire qui se tisse depuis longtemps. J’ai toujours été inspiré par des artistes comme Oxmo Puccino ou Grand Corps Malade, qui mêlent ces deux univers. Le rap, en particulier, m’a énormément influencé. Mais, à un moment donné, j’ai réalisé que la musique, c’était un vrai travail d’équipe. Ce n’était pas juste moi et un stylo. Il faut un Beatmaker, des musiciens, des gens qui croient en ton projet. Quand j’ai publié mon premier livre (Gedächtnis im Leerlauf), je me suis fait la promesse de me lancer dans la musique, et aujourd’hui, je la tiens avec Amour Flingué («Erschossene Liebe»). C’est une étape naturelle dans mon parcours artistique, une façon de donner une autre dimension à mes écrits.
Was ist das Neue an der Musik?
La poésie et la musique sont deux formes d’expression différentes, mais qui se complètent bien. Si la poésie a un pouvoir immédiat, elle prend une autre dimension, une autre énergie lorsqu’elle est portée par la musique.
Moderatorin eines Poesie-Accounts auf Instagram, Aurelia Fellous ist Redakteurin für das französische Kulturmedium Zone critique.
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