Gute Gefühle laden sich in «L'Atelier» ein»

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geschrieben von Jonas Follonier · 01 November 2017 · 0 Kommentare

Les mercredidis du cinéma - Jonas Follonier

Olivia (Marina Foïs) ist eine bekannte Pariser Schriftstellerin. Sie wird dafür bezahlt, in Südfrankreich einen Schreibworkshop für Jugendliche mit ungewisser Zukunft, Jugendliche auf der Flucht, zu geben. Unter ihnen sind Menschen unterschiedlicher Herkunft, die das heutige Frankreich widerspiegeln. Olivias Arbeit wird ihr nicht leicht fallen, da das Einvernehmen innerhalb der Gruppe schnell bröckelt.

Einer der Teilnehmer, Antoine (Matthieu Lucci), wird durch seine provokative Haltung und seine «rechtsextremen» Äußerungen das Misstrauen seiner Mitschüler auf sich ziehen. Zweifellos ist es auch die Eifersucht, die er hervorruft: Die Texte, die er für den Kurs verfasst, erhalten eine vollendete Form und einen in den Augen der Betreuerin interessanten, wenn auch vielleicht zu makabren Inhalt. Diese Spannung zwischen dem jungen Mann, der für die Identitätsfragen seiner Zeit empfänglich ist, und den anderen Schülern wird einer zweideutigen Faszination weichen, die Olivia für Antoine empfindet.

Wir haben es also mit zwei Gegensätzen zu tun: einer kulturellen Konfrontation zwischen dem „ursprünglichen“ Frankreich und dem Frankreich der Einwanderer sowie einer Begegnung zwischen zwei sozialen Welten – der wohlhabenden, „bobo“-Welt von Olivia und der bescheidenen, provinziellen Welt der Jugendlichen in der Eingliederungsmaßnahme. Auch wenn diese Konstellation des Drehbuchs an sich interessant ist, driftet der Film von Laurent Cantet viel zu früh in wohlmeinende Ideologie ab. Tatsächlich, Das Atelier hat einen politischen Hintergrund. Und was sagt er uns? Dass der Terrorismus nichts mit dem Islam zu tun hat. Dass Dieudonné und Zemmour vom gleichen Schlag sind, nämlich von dem, der zum Extremismus treibt. Dass Radikalität nur Gewalt um der Gewalt willen ist, dass sie kein Motiv hat.

Die sommerlichen Landschaften von La Ciotat und das Talent der Schauspielerin Marina Foïs sowie des jungen Matthieu Lucci wurden leider durch eine unhörbare Moralpredigt zunichte gemacht. Von diesem Cocktail aus guten Absichten wird bald niemand mehr auch nur einen Tropfen trinken können. Vor allem nicht in der Kunst, wo diese keinen Platz haben.

Schreiben Sie dem Autor : jonas.follonier@leregardlibre.com

Bildnachweis: critikat.com

Jonas Follonier
Jonas Follonier

Jonas Follonier ist Chefredakteur von «L’Agefi» und Essayist sowie Gründer und Vorsitzender von «Regard Libre».

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