«DiCaprio als Steuerhinterzieher in »Stoppt mich, wenn ihr könnt!
Les mercredidis du cinéma - Sonderausgabe: Leonardo DiCaprio - Alissa Musumeci
Wer hat als Kind nicht davon geträumt, Pilot, dann Arzt und schließlich Anwalt zu werden - und das alles in einem einzigen Leben? Der junge Frank Abagnale hat all diese Berufe ausgeübt, allerdings in weniger als zwei Jahren. Nachdem seine Eltern sich scheiden ließen, beschloss der junge Mann, von zu Hause wegzulaufen. Der erst sechzehnjährige Junge findet schnell heraus, dass es viel mehr Spaß macht, durch Betrug an der amerikanischen Regierung Geld zu verdienen, als ehrlich zu arbeiten. Der FBI-Agent Carl Hanratty wird beauftragt, den Betrüger zu fassen. Überraschenderweise wird dieser Fall eine besondere Verbindung zwischen den beiden wachsen lassen. Trotz der Handschellen und trotz allem anderen.
Steven Spielberg ließ sich für seine Regiearbeit vom Leben des ehemaligen amerikanischen Fälschers Frank Abagnale Junior inspirieren. Dieses Biopic aus dem Jahr 2002 ist eine Mischung aus einem realen Lebensbericht und völlig fiktiven Elementen. Eine Mischung, die einen fast fantastisch, Das macht den Film noch reicher und attraktiver. Natürlich macht der wahrheitsgetreue Teil, der nichts beschönigt, den Film zu einer authentischen Flucht. Der Drehbuchautor orientierte sich an dem Buch Catch Me If You Can, Abagnales Autobiografie.
Um das spektakuläre Leben des echten Abagnale auf der Leinwand ebenso spektakulär darzustellen, wählte Spielberg zwei große Filmikonen: den charmanten Leonardo DiCaprio als Frank Abagnale und den unbestrittenen Hollywoodstar Tom Hanks als Agent Hanratty. Sowohl der Regisseur als auch der Drehbuchautor legten Wert darauf, dem echten Frank Abagnale einen kurzen Auftritt in dem Film zu geben; er spielt einen französischen Polizeibeamten.
In diesem Spielfilm spielt die Botschaft eine entscheidende Rolle. Natürlich sind Franks betrügerische Handlungen auf keinen Fall akzeptabel oder verzeihlich, und das ist auch klar, denn er muss für die Konsequenzen im Gefängnis bezahlen. Aber man muss bedenken, dass Frank einen großen Riss erlitten hat: die Scheidung seiner Eltern, die ihn bei allen Entscheidungen in seinem Leben stets geleitet haben. Mit 16 Jahren muss er sich mit einer zerrütteten Familie und einer Welt voller Reichtümer auseinandersetzen, die es zu entdecken und zu genießen gilt, ganz gleich, wie hoch der Preis dafür ist oder wie groß der Betrug sein mag.
Ein Teenager ist naiver als ein Mann und fauler als ein kleiner Mann: Reich werden, ohne etwas Konkretes zu tun, ist genau der richtige Plan, wenn man 16 Jahre alt ist, kein Geld hat und nicht weiß, wie man sich alleine durchschlagen soll. Diese Geschichte mit ihrem komischen Hang verbirgt in Wirklichkeit einen dramatischen Abschnitt im Leben eines Jungen, der in einem Sinnvakuum ertrinkt. In einem Vakuum der Identität und der Existenz. Weil er seinen Platz nicht findet, sucht er ihn in Statuten und Berufen, die den Träumen eines Kindes würdig sind. Weil er noch ein Kind ist. Ansprechend, schmerzhaft, witzig und hinreißend. Genau wie der Film.
Schreiben Sie dem Autor: alissa.musumeci@leregardlibre.com
Bildnachweis: © Dream Works SKG
Einen Kommentar hinterlassen