«Ein wahrer Muslim schüttelt einer Frau nicht die Hand.»
Ahmed ist dreizehn Jahre alt. Aber mit den Spielen der Kindheit ist es schon vorbei. Keine Playstation, keine Poster, keine Dummheiten mehr. Jetzt ist es der Glaube, der den ganzen Platz eingenommen hat. Ahmed will ein echter Muslim sein. Er wird radikalisiert, wie man so schön sagt. Nur die Worte seines Imams zählen; nur sein Cousin ist verehrungswürdig, weil er als Märtyrer an der Front des Islamischen Staates gestorben ist. Ahmed will selbst zur Tat schreiten und versucht, seine Arabischlehrerin Madame Inès zu ermorden, die in seinen Augen zu liberal ist. Er scheitert und kommt in eine Haftanstalt. Doch die Ideologie verfolgt ihn weiter.
Der junge Ahmed ist ein kleinerer Film der Brüder Dardenne. Auch wenn das Thema durchaus interessant ist, fängt es an, uns aus den Ohren zu kommen. Vor allem, weil es immer das gleiche Lied ist: Auf der einen Seite gibt es die guten Muslime, die den Islam als eine Religion des Friedens, der Liebe und der Toleranz betrachten; auf der anderen Seite gibt es die Bösen, die die Jugendlichen manipulieren und zum Dschihad aufrufen. Von diesem Standpunkt aus gesehen, Der junge Ahmed geht nicht über den Manichäismus hinaus. Mit seiner Menge an - übrigens nicht unbedingt falschen - Albernheiten, die predigen, dass Sport und Natur heilen können.
Wo der Film interessanter ist, ist seine Inszenierung. Die Brüder Dardenne, die in Cannes dafür ausgezeichnet wurden, haben in diesem Bereich eine sorgfältige Arbeit geleistet. Mit der Kamera auf der Schulter und einer ultrarealistischen Ader folgt man Ahmed. Die Aufnahmen zeigen den Alltag in unaufgeräumten Küchen oder Badezimmern, wobei mal ein Teil von Ahmeds Kopf abgeschnitten wird, mal bewegt er sich und schafft so ein Gefühl der Verwirrung. Die Aufnahmen von Zahnbürsten und Händen des Jungen sagen ebenfalls viel über den Hintergrund aus, ohne dass die Instanz störend wirkt. Er ist verrückt nach Reinheit und besessen von der makellosen Hygiene, die er für die Vorbereitung auf das Gebet benötigt.
Und die Stille, wenn er mit gesenktem Kopf gefilmt wird, verloren in der Unfähigkeit, seine Gefühle auszudrücken. Wenn Der junge Ahmed kann zum Nachdenken anregen, ist aber vor allem eine Stilübung. In dieser Hinsicht kann er trotz seiner vorherrschenden Plattheit an Interesse gewinnen.
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