«A Couteaux tirés» - wie ein Cluedo
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Mittwochs im Kino - Loris S. Musumeci
«Beweise erzählen manchmal Geschichten, die der Vernunft widersprechen.»
Am Tag nach seinem fünfundachtzigsten Geburtstag wird Harlan Thrombey (Christopher Plummer) tot in seinem Zimmer aufgefunden. Eine skurrile Situation, in der ein erfolgreicher Krimiautor selbst zum Protagonisten eines mysteriösen Mordfalls wird. Mord oder Selbstmord? Das ist die Frage. Diesen Verdacht müssen die Polizei und Detective Blanc (Daniel Craig) – der stilvoller ist denn je! – ausräumen, um diesen Fall aufzuklären.
Mit gezückten Messern ist ein regelrechtes Cluedo, das nacheinander jedes einzelne Mitglied der Familie Thrombey und des Hauspersonals unter die Lupe nimmt, die alle auf der Geburtstagsfeier anwesend waren. Jeder könnte der Mörder sein, denn jeder hätte ein Motiv. Um vorzeitig das Erbe anzutreten, natürlich. Das verleiht dem Film von Anfang an seinen komischen Charakter, da jeder gegenüber den Ermittlern in einem privaten Verhör seine eigene Version der Ereignisse schildert, die sich am Abend von Harlans Tod zugetragen haben. Natürlich verkörpert jeder eine Karikatur seiner selbst; jeder ist in Wirklichkeit nur eine Marionette, deren Bewegungen von einem Puppenspieler namens Gier gelenkt werden.
Doch wider Erwarten hält die Spannung nicht lange an. Nach einer halben Stunde weiß man bereits alles! Was bringt es da noch, weiterzuschauen? Weil man glaubt, es zu wissen alle, aber was wir tatsächlich wissen, ist fast alles. Und das bis in die allerletzten Augenblicke des Films hinein. Das Interessante daran ist vielmehr die Maschinerie der Lügen, die in Gang gesetzt wird, um andere, ältere Lügen zu verbergen. Und zwar in einem solchen Ausmaß, dass selbst wenn eine Figur die die reine Wahrheit, da denkt man sich, dass es doch nicht so einfach sein kann. Da muss noch etwas anderes dahinterstecken.
Und noch etwas: Man wird von der Wahrheit der Tatsachen selbst getäuscht. Eine große Originalität für einen Krimi. Sprechen wir über den betreffenden Detektiv. Benoît Blanc ist schwer zu durchschauen. Während des gesamten Films scheint er überhaupt nichts zu verstehen. Doch gerade die falschen Fährten, auf die er sich fröhlich einlässt, führen ihn nicht nur zur Wahrheit, sondern auch zu der Wahrheit, die sich hinter dieser Wahrheit verbirgt. Was die schauspielerische Leistung angeht, beweist Daniel Craig schlichtweg Klasse – mit etwas mehr Leichtigkeit und Humor als ein James Bond.
Alle Darsteller schlüpfen übrigens sehr überzeugend in ihre Rollen. Sie sind alle Karikaturen ihrer selbst, und man spürt, dass sie sich voll und ganz darauf einlassen. Mit gezückten Messern bietet dem Publikum also Unterhaltung und eine spannende Ermittlung. Aber mehr auch nicht. Denn wenn das Drehbuch versucht, eine Art Botschaft oder Moral zu vermitteln, wirkt das ziemlich erbärmlich. Das ist die Schwäche des Spielfilms, die ihm seine Grenzen setzt. Es handelt sich um einen Krimi, und um nichts weiter. Schade, dass man nicht etwas tiefer in tiefgreifendere Fragen rund um die Familie, das Schreiben und das subtile Wechselspiel zwischen Wahrheit und Lüge eintauchen kann.
Ein negativer Aspekt, der Rian Johnson jedoch nicht daran hindert, in seinem Film auf eine sorgfältige Kameraführung zu achten und dabei Gegenständen wie Messern oder Marionetten einen hohen Stellenwert einzuräumen. Das hindert ihn auch nicht daran, dem Krimi-Genre durch raffinierte und treffende Mittel eine gut inszenierte und unterhaltsame Hommage zu erweisen. Eine Hommage, die jedoch eine klare und deutliche Grenze zum klassischen Krimi zieht, sodass man meinen könnte, Rian Johnson und dieses Genre stünden vielleicht auf Kriegsfuß.
Schreiben Sie dem Autor: loris.musumeci@leregardlibre.com
Bildnachweis: © Impuls Pictures
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