«Moka»

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geschrieben von Le Regard Libre · 24 September 2016 · 0 Kommentare

Le Regard Libre Nr. 20 - Loris S. Musumeci und Jonas Follonier

Existentielle Suche und Angst werden seit dem 17. August durch den zweiten Spielfilm von Frédéric Mermoud auf den Leinwänden präsentiert, Moka. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Tatiana de Rosnay und erzählt von der unermüdlichen Suche einer Mutter nach dem Mörder ihres Sohnes. Dieser starb nämlich plötzlich, nachdem er von einem mokkafarbenen Auto überfahren worden war, das nach dem Unfall nicht einmal angehalten hatte.

Alles ist unerwartet in Moka. Von einer Szene zur nächsten agiert und reagiert Emanuelle Devos, die Diane, die Mutter, spielt, auf eine Weise, die dem Offensichtlichen so entgegengesetzt wie möglich ist. Dies geschieht sowohl durch ihren Text als auch durch ihr Spiel. Mit flüchtigem Blick und undeutlichem Gang betäubt sie den Zuschauer. Es ist verstörend, aber es spiegelt eine Psychologie wider, die durch den Verlust des Sohnes erschüttert ist. Die Kritik ist nicht negativ, aber auch nicht positiv. Sie stellt eine Tatsache fest, die man mögen oder nicht mögen kann: Eine solche Art, die gestörte Mutter zu verkörpern, kann einen in den Bann ziehen und es schwierig machen, emotional in die Geschichte einzusteigen. Dies ist ein Risiko, das häufig bei Autorenfilmen auftritt.

Nathalie Baye, was für eine Frau! Sie ist stabil, raffiniert und besonnen, aber sie ist die Verdächtige einer Mörderin. Diane ist davon überzeugt, dass diese schöne Blondine, die einen beige-mokkafarbenen Mercedes besitzt, ihren Sohn getötet hat. Nathalie Baye passt perfekt in die Rolle: Wie im richtigen Leben hat sie eine Tochter, die «auf der Suche nach sich selbst» ist, eine Laura Smet. Es kommt zu einer geheimnisvollen und paradoxerweise freundschaftlichen Konfrontation zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen, die sich gegenseitig missverstehen. Das Spiel der Schauspielerinnen unterscheidet sich in allem. Während die eine eine anarchisch entflammte Psychologie hat, ist die andere ein phlegmatischer See, der Genfersee.

Er, der unumgängliche und mystische Genfersee. Er ist eine eigenständige Figur im Film. Frédéric Mermoud hat ihn gut herausgearbeitet, obwohl er mehr und besser hätte tun können. Neben der Landschaft ist die Handlung auch wegen ihres ruhigen Tempos spannend, das der Tragik der Situation Gewicht verleiht. Die ersten Einstellungen sind es auch - in dieser Hinsicht wird die Kamera gekonnt geführt, was der Regie einen Hauch von Claude Lelouch verleiht.

Auch wenn der Film nicht herausragend ist, bleibt er doch sehr gut. Und Hut ab vor dem Regisseur für seine mutige Arbeit, die sich an ein intellektuelleres, langsameres und tiefgründigeres Kino wagt.

Schreiben Sie den Autoren:
loris.musumeci@leregardlibre.com
jonas.follonier@leregardlibre.com

Bildnachweis: © Frenetic Films

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