Filmplattformen am Samstag - Jonas Follonier
Die Entstehung des FBI-Profiling von rückfälligen Killern. Das ist das spannende Mark, an dem es auf Netflix zu nagen gilt: Mindhunter. Die Serie vereint Anspruch und Exzellenz, um eine weitere Komplexität in dieser spiegelbildlichen und morbiden Welt zu beleuchten. Ich bin einverstanden.
Nachdem ich mir unter dem leicht schelmischen Rat meiner ergebenen Kollegin den Trailer eines unabhängigen Schweizer Films angesehen habe Indra im Modus «Du könntest über ein solches Werk schreiben, das wäre mal was anderes», musste ich feststellen, dass der besagte «Trailer» keines dieser beiden Wörter legitimierte. Und außerdem ist es ja nicht so, dass ich nichts über die Kunst aus unserer Gegend geschrieben hätte...
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Da kam mir eine Idee, wie ich sie oft schnell und selten treffend habe: Ich wollte über die Serie schreiben, die ich seit etwa einem Jahr jeden siebzehnten Abend schaue. Diese einmalige Flucht aus dem Alltag ist für mich Mindhunter se frotte à une caractéristique que j’eus tôt fait d’avoir en tête, découvrant alors une approche pour ma chronique du samedi: je ne puis point regarder cette série en faisant la cuisine.
Ein erster Hinweis auf den hohen Anspruch, der mit diesem Filmtreffen einhergeht. Versuchen wir es einfach mit dem Pitch: Mindhunter erzählt, wie der intuitive Holden Ford (Jonathan Groff) und der strenge Bill Tench (Holt McCallany) in den 60er Jahren beim FBI einen Ansatz einführen, der auf den sogenannten «Verhaltenswissenschaften» beruht. Eine eigene Abteilung wird gegründet. Kein Grund, mit dem Golfspiel anzugeben: Die beiden komplementären Partner werden in den Keller geschickt. Und das ist die einzige Chance, die sie bekommen, um sich zu beweisen.
Der Kern der Handlung ist an sich nicht kompliziert, wie diese kurze Zusammenfassung beweist. Und die Art und Weise, wie die Episoden inszeniert sind - ein Hoch auf den berühmten David Fincher - ist weder obskur noch pedantisch. Sie ist zutiefst ästhetisch, effizient und berauschend. Der Anspruch der Serie ist also nicht mit einer Zugangsschwierigkeit oder gar einer Mühsal in der Erfahrung des Zuschauers gleichzusetzen. Sie ist vielmehr als die Qualität für die Serie zu verstehen, so beschaffen zu sein, dass man keine einzige Hundertstelsekunde verpassen möchte. Die Atmosphäre ist so stimmungsvoll, McCallanys Lächeln so reich, die Situationen so einfühlsam.
Daher meine kleine Anekdote. Mindhunter wird nicht mit halben Augen betrachtet. Man genießt diese retrospektive Serie mit klaren Augen und klarem Verstand, möglichst mit einer guten akustischen und visuellen Wiedergabe und vor allem mit voller Konzentration. Dann erscheint die angenehme Darstellung eines immerhin historischen Moments in der Geschichte der amerikanischen Kriminalpolizei in ihrer ganzen Tiefe, in der man die Herausforderungen eines kleinen Teams verfolgt, das ermitteln und gleichzeitig innovativ sein muss. Den Wahnsinn zu verstehen, um ihn vorhersehen zu können: ein spannendes Programm für visionäre Ermittler (sie prägten den Begriff «Serienkiller»), das auch 50 Jahre später noch als Grundlage für ein Meisterwerk ausreicht.
Ich könnte noch stundenlang über diesen oder jenen Handlungsstrang, diese oder jene Figur schwadronieren. Aber das haben andere mit Bravour erledigt. Diejenigen, die es noch nicht getan haben, davon zu überzeugen, dass sie sich mit dem Film Mindhunter, Das sollte auf diesen Seiten geschehen. Denn diese Serie ist die perfekte Gelegenheit für die ersten Emporkömmlinge unter uns, über ihre alte Liebe zu’Criminal Minds die auf ihre Teenagerzeit zurückzuführen ist. Das ist ungefähr so, als würde jemand, der nur Sum 41 kennt, den echten Rock entdecken. Ein Universum, das sich öffnet!
Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com

Bildnachweis: © Patrick Harbron