46 | Dmitri Schostakowitsch: Ein Seiltänzer im Angesicht der Macht

9 Leseminuten
geschrieben von Jean-David Ponci · 24. September 2021 · 0 Kommentare

Le Regard Libre Nr. 77 - Jean-David Ponci

Dossier «Die Künste im Angesicht der russischen Macht»

Abgeordneter des Obersten Sowjets 1947, Generalsekretär des sowjetischen Komponistenverbands 1960, Held der sozialistischen Arbeit 1966... Diese widerwillig angenommenen Ernennungen waren oft nur ein Mittel, um in seinem Namen Artikel zu veröffentlichen, die er nicht geschrieben hatte, oder um ihn Reden verlesen zu lassen, die er nicht billigte. Das passt gut zum totalitären Machtverständnis, wonach alles im Dienste des Staates steht. Schostakowitsch sollte nur ein weiteres Rädchen in dieser gigantischen Maschinerie sein. Wie kann ein Künstler unter solchen Bedingungen noch kreativ sein? Schostakowitsch ist mehr als nur eine Antwort auf dieses Dilemma. Er verkörpert es durch sein Leben. Wie ein Seiltänzer, der sich den Gesetzen der Schwerkraft unterwerfen muss, wenn er überleben will, unterwirft sich Schostakowitsch den unerbittlichen Gesetzen des Regimes.

Dieser Inhalt ist unseren Abonnenten vorbehalten.

Wenn Sie ein Konto haben, loggen Sie sich ein. Ansonsten entdecken Sie unsere verschiedenen Abonnements und erstellen Sie ein Konto ab CHF 2.50 im ersten Monat.