Woodkid in Montreux: mehr audiovisuelles Spektakel als Konzert

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geschrieben von Erica Berazategui · 11. Juli 2022 · 0 Kommentare

Nach einem ausgedehnten Auftakt bot Woodkid dem Montreux Jazz Festival einen Auftritt, der fast schon eher einer audiovisuellen Show als einem Konzert glich: Zwischen seiner Fähigkeit, das Publikum zu begeistern, und der atemberaubenden Lichtshow war die Darbietung einfach umwerfend.

Pünktlich um 22 Uhr gehen die Lichter aus: An diesem Sonntagabend, dem 10. Juli, steigt die Lautstärke im Parkett des Auditorium Stravinski in Montreux an und mündet in eine Melodie mit futuristischen und beunruhigenden Klängen. Und das dauert lange genug, dass das Publikum umher Zeit hat, ein paar Witze über Woodkid zu machen, den französischen Singer-Songwriter, der mittlerweile ein Stammgast im Jazz ist. «Da räumt er gerade den Saal aus!», hört man, oder auch: «Vielleicht hat er Corona!» Was für ein Humor. Die Menge erwacht nach einigen langen Augenblicken, schläft aber wieder ein … bis schließlich die Lichter aufflackern und Eisen auf voller Lautstärke erklingen, bis alle Wände davon erbeben.

Ein spektakuläres Lichtspektakel 

Man taucht nun in die Welt von Woodkid ein, eine Mischung aus Pop, Folk und Elektro, begleitet von einer Lichtchoreografie, grafischen Visuals auf der Leinwand und millimetergenauen, wunderbar inszenierten Bewegungen. „Fast schon zu viel“, gibt meine Begleiterin an diesem Abend zu. Dennoch scheint der Rest des Publikums von dieser Show für Augen und Ohren verzaubert zu sein. Auf der Leinwand hinter der Bühne ziehen roboterhafte und futuristische Bilder vorbei, die Woodkid in hypnotisierende Explosionen entführen und das Publikum zeitweise in den Weltraum befördern. Die tiefe, kraftvolle Stimme des Künstlers scheint dieses Ballett zu koordinieren, auch wenn sie manchmal von dessen Größe übertönt wird.

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Ein sanfter Kontrast begleitet uns während der anderthalb Stunden des Konzerts: Manche Stücke sind von ohrenbetäubender Stille geprägt, während andere das Publikum in ausgelassene Begeisterung versetzen. Und diese Momente folgen dicht aufeinander, sodass weder Langeweile noch Müdigkeit im Saal Fuß fassen können. Auch die Lichtinszenierung sorgt für eine bisweilen heftige visuelle Dissonanz. Blitze und Lichtstrahlen tanzen im Rhythmus der acht Musiker, die den Künstler begleiten, um die dramatischen und epischen Effekte von Woodkids Musik zu unterstreichen. Auch wenn dieser Kontrast etwas überraschend wirkt, schafft er letztendlich doch eine Art Gleichgewicht.

woodkid Montreux
Woodkid beim Montreux Jazz Festival am 10. Juli 2022 © Lionel Flusin

Mit seinen 39 Jahren beherrschte Woodkid die Bühne des Auditoriums mit der nötigen Größe, um das Publikum ganz nach den Erfordernissen der Show zu fesseln. Wenn er zwischen den Stücken voller Emotionen von seiner sehr engen Verbindung zum Festival erzählte, wirkte das manchmal fast schon langweilig. Das Konzert war jedoch so aufgebaut, dass es die Zuschauer zufriedenstellte und ihnen ein beeindruckendes Erlebnis für Augen und Ohren bot: Beim Verlassen des Saals wurde einem bewusst, dass man ein ziemlich einzigartiges und kraftvolles Erlebnis erlebt hatte.

Schreiben Sie der Autorin: erica.berazategui@leregardlibre.com

Titelbild: Der französische Singer-Songwriter Woodkid beim Montreux Jazz Festival am 10. Juli 2022 © Lionel Flusin

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Erica Berazategui
Erica Berazategui

Erica Berazategui, eine Literaturstudentin und Bildjournalistin, veröffentlicht manchmal Artikel in Le Regard Libre, wo sie ein Praktikum im Bereich Kommunikation und Grafikdesign absolviert hat.

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