Odezenne: «Die Freiheit der Programmgestaltung ist in der Schweiz einzigartig».»

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geschrieben von Erica Berazategui · 10. Juli 2022 · 0 Kommentare

Alix Caillet, Sänger der französischen Alternativband Odezenne, hat uns im Montreux Palace mit einem Bier in der Hand ein Interview gegeben, wenige Stunden vor seinem farbenfrohen Konzert am Montreux Jazz Festival am Samstag, den 9. Juli 2022. Mit viel Leichtigkeit und zwischen einigen Lachern erzählt er uns seine Sicht auf die Schweizer Festivals und das Schweizer Publikum.

Le Regard Libre: Dies ist das zweite Mal, dass Ihre Band beim Montreux Jazz auftritt. Das erste Mal war vor zehn Jahren und einem Tag, am 8. Juli 2012, auf einer kostenlosen Bühne. Wie ist es für Sie, wieder an diesem Festival teilzunehmen?

AC: Ich habe einen kleinen Stich im Herzen. Vor zehn Jahren war meine Schwester Marie-Priska Mitglied der Gruppe [Anm.: bis 2013]., aber sie hat uns 2021 verlassen. Das gibt dem Abend natürlich eine ganz besondere Note. Aber insgesamt fühle ich mich sehr glücklich, dass ich heute Abend auftreten darf, vor allem an der Seite von Diana Ross: Ich glaube, es ist das erste und letzte Mal, dass unser Name neben ihr zu lesen sein wird. Das Programm ist im Jazz und generell in der Schweiz sehr speziell.

Gibt es einen Unterschied zu Frankreich?

Ja, wir haben ein kleines Problem mit der Programmgestaltung in unserem Land. Alle Plakate ähneln sich sehr. Es gibt nicht viel Risikobereitschaft, wenn man es zum Beispiel mit heute Abend vergleicht. Zwischen unserer Band, Diana Ross oder Tinashe gibt es eine gewisse Freiheit in der Programmgestaltung, die man in Frankreich nicht sehen würde. Ich denke auch, dass das Festival so anerkannt ist, dass es sich erlauben kann, diese Art von Verrücktheiten anzubieten. Diese Verrücktheiten sprechen mich umso mehr an, als unsere Gruppe eine eher offene Musik anbietet.

Haben Sie ein Ritual vor dem Konzert?

Plus maintenant. On en avait beaucoup, mais au fur et à mesure que notre public grandissait, qu’il nous donnait plus de force sur scène en chantant nos titres et en criant sitôt qu’on posait le pied sur scène, les rituels sont partis. J’ai l’impression que ce sont des trucs que tu fais au début pour te donner de la force, quand tu dois aller chercher ton public parce que personne ne te connaît. C’est comme entrer dans une arène. Tu dois te battre pour que les gens t’écoutent. Mais petit à petit, après une dizaine d’années, on a juste envie de foncer! Bien sûr, on a toujours un peu le trac quelques secondes. Mais c’est du bon trac, une envie de bien faire, de proposer un bon show.

Odezenne beim Montreux Jazz Festival am 9. Juli 2022 © Thea Moser
Odezenne beim Montreux Jazz Festival am 9. Juli 2022 © Thea Moser
Wenn die Bühne keine Arena mehr ist, was bedeutet sie dann heute?

Soit un lieu de communion avec notre public, lors de nos propres concerts. Soit, en festival, un lieu de contagion parce qu’on va compter sur notre communauté déjà présente et tenter de proposer le meilleur concert pour que les gens qui ne nous connaissent pas aient envie de continuer à nous écouter. Un concert en salle, c’est un lieu où tu vas célébrer un album que tout le monde a déjà écouté et que tout le monde chante. En festival, il y aura toujours des gens qui ne te connaissent pas… On n’est pas Michael Jackson quand même. Même sur une scène comme ce soir, avec 2’000 personnes, on va devoir aller chercher un nouveau public.

Unterscheidet sich das Schweizer Publikum vom französischen Publikum?

Ja, er hat die Besonderheit, dass er keine Komplexe hat. Ich glaube, in Frankreich achten die Leute mehr auf das Image, das sie bekommen, wenn sie einen bestimmten Künstler hören. Das hat wahrscheinlich mit den Geschichten von Hype In der Schweiz habe ich immer ein sehr offenes Ohr für die Texte gehabt, und ich glaube, dass das Publikum leicht von einer Musikrichtung zur anderen wechselt. Der Beweis dafür ist das Programm des heutigen Abends. Ich habe auch festgestellt, dass die Lust zu feiern bei Ihnen sehr groß ist!

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Und diese Unterschiede sind auf der Bühne spürbar?

Ja, natürlich ist das so. Man sieht es an den Blicken, an der Art und Weise, wie die Leute singen... Man spürt es einfach. Nach den Konzerten unterhalten wir uns meistens mit den Leuten, die zu uns kommen, um den Puls zu fühlen, und die Rückmeldungen sind immer sehr nett und wohlwollend.

Was ist Ihrer Meinung nach der Grund für die Schweizer Sorglosigkeit?

Vielleicht täusche ich mich, aber ich habe den Eindruck, dass es in der Schweiz weniger Probleme gibt. In Frankreich ist es im Moment etwas trostlos wegen der sozialen und politischen Probleme. Hier hat man das Gefühl, in Eurodisney angekommen zu sein. Nicht im abwertenden Sinne: Ich denke, das ist eine große Chance. Man sieht es wirklich. In der Schweiz zum Beispiel gibt es nach unseren Konzerten immer unmögliche Partys und Aftershowpartys, während das in Frankreich ganz anders ist. Ich habe zum Beispiel in Genf oder Neuchâtel schon einige verrückte Abende verbracht!

Manche werden Ihnen sagen, dass man in Ländern, in denen es einem schlecht geht, eher feiert. Und Neuchâtel ist ja auch nicht Paris... Was soll's: Mögen Sie Schweizer Schokolade?

Ich liebe das! Wenn ich aus der Schweiz zurückkomme, tanke ich immer für meine Mutter.

Gibt es eine Schweizer Eigenschaft, die Sie besonders schätzen?

Die Offenheit des Geistes. Und der Zugang zu Drogen [Lachen]. Vielleicht gehört das letztendlich dazu ...

Schreiben Sie der Autorin: [email protected]

Headerbild: Die Band Odezenne aus Bordeaux © Edouar Nardon und Clément Pascal

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Erica Berazategui
Erica Berazategui

Erica Berazategui, eine Literaturstudentin und Bildjournalistin, veröffentlicht manchmal Artikel in Le Regard Libre, wo sie ein Praktikum im Bereich Kommunikation und Grafikdesign absolviert hat.

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