Serbien und die Schweiz - ein spannendes Spiel

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geschrieben von Alexandre Wälti · 25. Juni 2018 · 0 Kommentare

Montags zur Aktualität - Alexandre Wälti

Die Fußballweltmeisterschaft in Russland ist in vollem Gange, während eine Polemik um den Auftritt der Nati gegen Serbien anschwillt. Oder besser gesagt, sie schwillt um das Zeichen des doppelköpfigen Adlers der albanischen Flagge an, das Xhaka, Shaqiri und Lichtsteiner bei den Feierlichkeiten zu den beiden Toren mimten. Fußball ist schließlich nicht so wichtig, oder?

Die FIFA hat daher auf der Grundlage von Artikel 54 des FIFA-Disziplinarreglements ein ordnungsgemäßes Verfahren gegen die drei Schweizer Spieler wegen Provokation des Publikums eingeleitet. Ihnen drohen zwei Spielsperren und eine Geldstrafe von mindestens 5’000 CHF.

Warum? Weil die diplomatischen Beziehungen zwischen Albanien, dem Kosovo und Serbien seit dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien nie ganz friedlich waren und die serbische Regierung die Unabhängigkeit des Kosovo nie anerkannt hat. Deshalb hat die Geste der drei Spieler nach dem wunderbaren Sieg unserer Schweizer Nationalmannschaft zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Denn ja, wir sprechen vor allem von einem hart erkämpften 1:2, das die Nati einem Achtelfinale an der Weltmeisterschaft ein Stück näher bringt.

Übelriechende Gerüche

Zugegeben, diese Geste – ob absichtlich oder nicht – war nicht gerade die klügste des Abends. Der Sport sollte immer Vorrang vor Politik und familiärer Herkunft haben. Zumal Fussball ein Spiel ist, das die ganze Welt kennt und das eine Brücke zwischen verschiedenen Zugehörigkeiten und Kulturen schlagen kann. Es ist dringender denn je, daran zu erinnern, wenn man den Tweet der Zürcher SVP-Politikerin Natalie Rickli liest, die Folgendes von sich gab: «Ich kann mich nicht wirklich freuen. Die beiden Tore wurden nicht für die Schweiz, sondern für den Kosovo erzielt.»

Auch diese Bemerkung verdient eine Verurteilung. Ebenso wie zwei Reaktionen seitens der serbischen Akteure. Zum einen Mladen Krstajic, der serbische Nationaltrainer, der am Tag nach dem Spiel auf den Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien Bezug nahm und dabei auf den vom Schiedsrichter Felix Brych nicht gepfiffenen Elfmeter hinwies. Le Monde hat festgestellt die folgende Aussage: «Ich würde [ihm] keine gelbe oder rote Karte zeigen, sondern ihn nach Den Haag schicken. Dort kann man ihn dann verurteilen, so wie man es mit uns getan hat. » Auch Aleksandar Mitrovic äußerte sich vor Spielbeginn zum Fall Shaqiri. Die gleiche Zeitung zitierte die Frage des serbischen Stürmers: «Wenn er den Kosovo so sehr liebt, warum wollte er dann nicht für deren Nationalmannschaft spielen?»

Ach… wenn sich der Beigeschmack politischer oder historischer Ressentiments mit dem Sport vermischt, erinnern die Gerüche eher an die Schuhsohlen nach Spielende als an den frischen Rasen beim Anpfiff.

Bericht über ein wichtiges Spiel

Und was ist mit dem Fußball? Und mit den sportlichen Emotionen? Am Freitagabend war es einfach wunderbar! Beim Sieg der Nati habe ich meine kindliche Begeisterung wiederentdeckt. Natürlich habe ich dabei ein paar Fingernägel verloren und mich über einige Entscheidungen von Vladimir Petkovic ziemlich geärgert.

Übrigens, zu diesem Thema, nur so nebenbei, Herr Nationaltrainer, wenn ich mir das erlauben darf und falls Sie uns manchmal lesen: Bitte stellen Sie Gavranovic anstelle von Seferovic als Stürmer in die Startelf, Embolo auf dem Flügel anstelle von Dzemaili und Shaqiri als Nummer 10 im Zentrum. Ihre Fans werden es Ihnen gegen Costa Rica danken!

Ich war wie ein kleines Kind inmitten der Menschenmenge in einer Fanzone und trug stolz mein Schweizer Trikot neben einem serbischen Fan, der ebenso stolz war – das schwöre ich euch! Ich habe eine tolle multikulturelle Mannschaft gesehen, ganz wie die Schweiz selbst, mit einer eisernen Mentalität, die das starke und solide Serbien in den letzten Minuten des Spiels besiegt hat. Ich danke Akanji für seine defensive Stabilität während des gesamten Spiels und dem Helden Sommer. Was für eine Freude! Nun gut, ich gebe zu, dass alles schon in der fünften Minute sehr schlecht begann – mit dem schnellen Tor von Mitrovic angesichts der traurigen Passivität eines abwesenden Schär. Und danach? Eine erste Halbzeit, in der die serbischen Fussballer ununterbrochen Druck ausübten und die Schweiz in Bedrängnis brachten. Anschliessend verzweifelte ich 45 Minuten lang angesichts der mittelmässigen Angriffe unserer kleinen Schweizer. Mit klopfendem Herzen.

Plötzlich: Bumm! Alle umarmten sich und jubelten! Der Ball flog los. Ein perfekter Schuss von Xhaka, genau richtig gedreht, um den serbischen Torwart zu umspielen und dort zu landen, wo ich ihn gerne habe: im Netz. Die Fanzone bebte bis zur 90. Minute und dank der Torjägerkunst von Shaqiri. Endlich Erleichterung und Hupkonzerte!

Das ist es doch, was ein Spiel ausmacht! Die Emotionen. So ursprünglich sie auch erscheinen mögen. Fernab von politischen Überlegungen und anderen Provokationen. Fußball ist vielleicht wichtiger, als man denken könnte. Die Fähigkeit, so viele Menschen zu vereinen und ihnen Freude zu bereiten, während die andere Hälfte enttäuscht wird. Genau da spielt sich alles ab! Ein bisschen auch auf dem Spielfeld.

Schreiben Sie dem Autor : alexandre.waelti@leregardlibre.com

Bildnachweis: © Senego.com

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