Werden die Vergessenen der Literatur den Roman bekommen, den sie verdienen?
LANGARTIKEL, Eugène Praz | Das Belebende an der zeitgenössischen Literatur ist, dass sie in ihren Romanen Orte, Epochen, Generationen, Völker und soziale Schichten – sofern dieser Begriff noch gültig ist – in einer erfreulichen Vielfalt an Formen und Handlungen zusammenbringt. Diese Handlungen, die manchmal sehr fantasievoll sind, sind oft herrlich komisch; man denke zum Beispiel an die Romane der verdienstvoll beliebten Isabel Wolff, die sich in erster Linie an ein weibliches Publikum richten. Man könnte diese Vielfalt als etwas betrachten, das jeden in seinem Platz oder auf seinem «Weg» bestärkt. Jeder? Vielleicht nicht. Es scheint vielmehr so, als habe sich zwar das Feld unerwarteter menschlicher Interaktionen in der Literatur zweifellos erweitert, doch sei ihre innere Ausstrahlung – durch die Tiefe ihrer Figuren und die Qualität ihrer Beschreibungen – geschwächt worden. Infolgedessen hat ihr Reiz auf das Publikum etwas an Kraft verloren. Eine kurze Bestandsaufnahme einiger gravierender Mängel, ohne persönliche Angriffe – so weit sind wir nicht mehr.
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