Le Regard Libre Nr. 24 - Nicolas Jutzet
Mehrere Studien weisen auf ein beunruhigendes Problem hin: In fast allen Teilen der westlichen Welt ist der Intelligenzquotient seit Beginn des 21. Jahrhunderts in alarmierender Weise gesunken. Jahrhunderts, in dem der IQ vor allem aufgrund von gesundheitlichen und sozialen Fortschritten stetig gestiegen ist. Laurent Alexandre, ein Chirurg und Urologe, der sich für die transhumanistische Bewegung begeistert, erklärt das Phänomen damit, dass «die am besten ausgebildeten Menschen dazu neigen, den Zeitpunkt für ein erstes Kind hinauszuzögern, insbesondere um weiter zu studieren, und daher weniger Kinder bekommen als die Angehörigen der ärmsten Bevölkerungsschichten». Wenn man diese Tatsache mit dem Verschwinden der natürlichen Selektion (die die überlebensfähigsten und nicht unbedingt die stärksten Individuen auswählte) verbindet, erhält man eine beunruhigende Synthese. Ist die Menschheit zum Niedergang verurteilt? Hat sie ihre «gläserne Decke» erreicht?
Manche Menschen lehnen dieses Schicksal ab. Sie sind Optimisten und gehören zu den Anhängern des «Transhumanismus». Diese Bewegung will über den derzeitigen Ansatz der einfachen Reparatur des Menschen hinausgehen, der bis heute hauptsächlich therapeutisch ist. Sie wollen einen Schritt weiter gehen und neben der Reparatur auch die Verbesserung anstreben. Sie wollen von der Therapie zur Steigerung der Fähigkeiten des Menschen übergehen. Die Konvergenz der NBIC-Technologien (nano-bio-info-kognitive Technologien) macht diese Hypothese immer plausibler, nach Ansicht der Autoren sogar sicher. Für diese Denkrichtung erscheint der Mensch als eine Addition von Faktoren, die es als Universalingenieur zu analysieren gilt. Die derzeitigen Schwächen des Menschen sollen seziert, analysiert und behoben werden. Nick Bostrom, ein überzeugter und anerkannter Transhumanist, begründet diesen Ansatz damit, dass die Menschheit vier möglichen Entwicklungen gegenübersteht: dem Aussterben der menschlichen Spezies, dem wiederkehrenden Zusammenbruch (zyklische Krisen), der Stagnation und der post-/transhumanen Evolution (mit oder ohne radikalen Bruch mit dem derzeitigen Erscheinungsbild des Menschen). Die vierte Entwicklung wird bevorzugt.