«Music of my life», das musikalische Biopic zu viel
Mittwochs im Kino - Jonas Follonier
Nach Bohemian Rhapsody und Rocketman, In den letzten Jahren hat sich die Musikszene in den USA immer weiter entwickelt, und nun kommt ein weiteres musikalisches Biopic in die Kinos, vielleicht eines zu viel. Musik meines Lebens (Blended by the light) hat das Verdienst, nicht das Leben des Künstlers, um den es geht - Bruce Springsteen - zu erzählen, sondern das eines seiner Fans, Ein junger pakistanischer Student im Thatcher-England der 1980er Jahre. Durch die vielen Bussi-Bussi-Fantasien wird diese Einzigartigkeit leider zur Schwäche. Meinung.
Der britische Filmemacher Dexter Fletcher hat zwei Musikbiografien gedreht, die in diesem und im letzten Jahr für viel Gesprächsstoff gesorgt haben: Bohemian Rhapsody, Ein Film, der einen Teil der Geschichte der Band Queen und ihrer Musik erzählt führer Freddy Mercury und Rocketman, zentriert mit mehr als kitschig und vielleicht weniger Talent bei Elton John. Im Herbst 2019 kommt aus Großbritannien ein weiteres musikalisches Biopic, diesmal von Gurinder Chada, die indische Wurzeln hat. Und das ist wichtig, denn diese wurden bereits im ersten Film der Regisseurin angesprochen, Ein Spaziergang in Blackpool, aus dem Jahr 1993, der beim Locarno Festival mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Nun ist Pakistan, ebenso wie Indien, aus der Teilung des britischen Kolonialreichs Indien in zwei Länder nach religiösen Kriterien entstanden.
In Blended by the light, dummerweise umbenannt in Musik meines Lebens für das französischsprachige Publikum, erleben wir den Alltag von Javed, einem jungen Studenten aus Luton, der von seiner pakistanischen Familie erstickt wird. Diese kleine Ecke des Landes entgeht nicht einem instabilen und deprimierenden sozialen Klima. Der Gemeinschaftsgeist hat seinen Höhepunkt erreicht, die Arbeitslosigkeit beginnt sich in nicht unerheblichem Maße zu manifestieren. Draußen, die Jugendlichen Skinheads Rechtsextreme pissen gegen die Türen von Migrantenhäusern, der Regen geht nieder, die Hunde heulen. Auch in Javeds Herz schreit es. Es schreit vor Wut auf seinen Vater mit der alten pakistanischen Mentalität und auf eine Gesellschaft, die ihn nicht will. Es schreit vor Liebe zu der hübschen linksradikalen Aktivistin Eliza. Ein Freund wirft ihm daraufhin Bruce Springsteen in den Walkman. Javed denkt sich, dass Bruce genau das singt, was er fühlt. Er kann frei sein.
Diese Beschreibung des Films ist kaum übertrieben. Und genau das ist das Bedauern, das man als Zuschauer zu Recht empfinden kann. Nur weil eine Geschichte einfach ist und diese Einfachheit schön ist, heißt das nicht, dass man sich mit einer künstlerischen Behandlung an der Grenze zur Albernheit zufrieden geben muss. Denn ja, die Themen der Schwierigkeit, sich in der Familie und in der Gesellschaft zu behaupten, der ersten Verliebtheit und des Trostes von Volksliedern, die in Musik meines Lebens, sind universell und wichtig. Aber das reicht als Zutaten für einen guten Film nicht aus. Es bedarf eines originellen Blickwinkels, einer originellen Form oder eines originellen Menschen, etwas oder einige Dinge, um den Zuschauer zu fesseln, ihn zum Nachdenken über seine Situation zu bringen, ihn zum Lachen oder Weinen zu bringen. Hier dient das Klischee keinem Zweck und, was noch schlimmer ist, die nicht sehr feine Geschichte erweist sich auch insgesamt als völlig an den Haaren herbeigezogen. Nicht zu empfehlen.
Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com
Bildnachweis: © Warner Bros. Entertainment
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