Ferghane Azihari als Voltaire-ähnlicher Kritiker des Islam in Lausanne
Ferghane Azihari an der von «Le Regard Libre» am 12. Juni in Lausanne organisierten Konferenz. Foto: Nicolas Brodard
Vor etwa fünfzig Zuhörern in Lausanne verteidigte der französische liberale Autor Ferghane Azihari die Thesen seines Essays Der Islam gegen die Moderne. Ein fundierter Vortrag, gefolgt von einer lebhaften Diskussion mit dem Publikum.
«Das geringe Interesse, das Muslime der Archäologie und den vorislamischen Epochen entgegengebracht haben, gehört zu jenen Unglücksfällen, die darauf hindeuten, dass Mohammed nicht nur auf dem Schlachtfeld gesiegt hat. Er hat auch den Krieg um die Erinnerung gewonnen.» Dieser Satz gehört zu den zahlreichen pointierten Äusserungen von Der Islam gegen die Moderne, der Essay, dessen Thesen Ferghane Azihari, der selbst aus einer muslimischen Familie stammt, in Lausanne vor dem Publikum des Regard Libre am 12. Juni dieses Jahres im Hotel Mirabeau in Lausanne.
In Anlehnung an die Voltaire’sche Tradition der Religionskritik vertritt der aus den Komoren stammende französische Essayist darin die Auffassung, dass der Islam nicht nur einen Glauben, sondern auch ein System von Überzeugungen und Normen darstellt, dessen historischer Einfluss sich nachteilig auf die individuelle Freiheit, den wirtschaftlichen Wohlstand und die intellektuelle Entfaltung ausgewirkt hat. Vor einem Publikum von etwa fünfzig Personen stellte er die wichtigsten Argumente seines Buches vor und verband dabei historische, philosophische und politische Überlegungen zu einer selbstbewussten Kritik an der muslimischen Religion.

Religion als einer von vielen Faktoren
Auch die Fragerunde mit dem Publikum war sehr aufschlussreich. Auf die Frage, inwieweit er dem Islam – im Vergleich zu anderen möglichen Erklärungen – eine ursächliche Rolle beim Erklären der schlechteren Ergebnisse muslimischer Gesellschaften im Vergleich zu nicht-muslimischen Gesellschaften beimisst, stellte Ferghane Azihari klar, dass er die Religion nicht als die’das Einzige Grund für diese Ergebnisse, aber da die’eine offensichtliche Ursachen.
«Was ich damit sagen will, ist, dass diese Gesellschaften ohne den islamischen Faktor freier, wohlhabender oder auch friedlicher gewesen wären», erklärte der Autor. Wie lässt sich sonst erklären, dass alle heutigen muslimischen Länder autoritäre Staaten sind, dass nur 3% der Muslime in Ländern leben, die freier sind als der weltweite Durchschnitt, oder dass die muslimischen Zivilisationen nicht die gleiche Entwicklung in Kunst und Wissenschaft erlebt haben wie der Westen, obwohl diese ursprünglich über ein umfangreicheres materielles und immaterielles Erbe verfügten?“

Der 32-jährige Ferghane Azihari bot seinem Publikum einen gut strukturierten, mutigen und fundierten Vortrag und scheute sich dabei nicht, sich den Gegenargumenten des Publikums zu stellen – auch während des Apéros. Indem wir seinen einzigen Besuch in der Schweiz im Rahmen der Promotion seines Buches organisierten, Le Regard Libre stand im Mittelpunkt seines Engagements. Und seine Gemeinschaft war mit von der Partie!
Chefredakteur von L'Agefi, Jonas Follonier ist der Gründer und Vorsitzende des Regard Libre.
Sie haben soeben einen Bericht aus unserer Printausgabe gelesen (Le Regard Libre Nr. 128).

Ferghane Azihari
Der Islam gegen die Moderne
Presses de la Cité
Januar 2026
400 Seiten
Einen Kommentar hinterlassen