«Marta und Arthur» - auf den Lippen das Gift
Ursprünglich 2019 in Deutschland erschienen, Marta und Arthur gewinnt zwei Jahre später dank der Übersetzung von Barbara Fontaine im Verlag Editions Zoé das französischsprachige Publikum. Katja Schönherr, die als Journalistin in der Schweiz lebt, hat hier einen ersten Roman von bemerkenswerter Virtuosität geschrieben, der ebenso schädlich wie unwiderstehlich ist.
Marta. Arthur. Zwei Individuen, zwei gegensätzliche Persönlichkeiten, zwei Wege, die sich voneinander entfernen, um sich schließlich wieder zu kreuzen, zwei verbundene Schicksale. «Marthur». Eine einzige Liebe. Ein einziger Hass. Ihre Beziehung: toxisch. Selten habe ich einen Roman gelesen, bei dem ich mich so unwohl gefühlt habe! Diese Geschichte ist von einem ungesunden Geruch umgeben, der in die Eingeweide greift und einen nicht mehr loslässt. Und doch legt man das Buch nicht weg. Schlimmer noch, man verschlingt es! Schon auf den ersten Seiten spürt man, dass etwas nicht stimmt.
«Außer Marta ist niemand am Strand. Hunderte von verlassenen Panzern, abgebrochenen Beinen und Scheren liegen auf dem Boden verstreut.»
In sehr wenigen Worten knüpft Katja Schönherr ein instabiles und seltsames Klima. Nichts scheint an seinem Platz zu sein, alles wirkt dissonant. Marta verlässt den Strand und geht mit einem Sandsack unter dem Arm zurück in die eheliche Wohnung. Dann bedeckt sie ihren Mann gewissenhaft mit dem Sand. Vielleicht schläft er. Er reagiert nicht, bewegt sich nicht, atmet nicht. Er ist wirklich tot. Die Erzählung kehrt dann zu Martas Kindheit zurück, zu ihrer konfliktreichen Beziehung zu ihrer Mutter, zu ihrer Begegnung mit Arthur, ihrem Lehrer am Gymnasium. Um dann die Jahre zu überspringen und wieder zu dieser fast zeremoniellen Beerdigung zurückzukehren.
Die Erzählung wechselt immer wieder zwischen Martas Vergangenheit der aufkeimenden Romanze und der Gegenwart mit Arthurs Tod und erzeugt so eine Rollbewegung. Je mehr Seiten man umblättert, desto mehr Konturen ihres gemeinsamen Lebens werden sichtbar, und vor allem fragt man sich, was sie vierzig Jahre lang miteinander gemacht haben. Ihre Verbindung verbirgt nur die Fetzen eines stillen Kataklysmus. Die Trümmer einer giftigen Stummheit, die sich über Jahre hinweg sanft einschleicht, bis sie zuerst die Seelen und dann die Körper sklerosiert. Dann die Körper. Die ausgetrocknete Haut bricht auf, um den Schmerz zu verbergen. Es ist unmöglich, sie abzukratzen, ohne alles herauszureißen.
Katja Schönherr lässt uns in die Qualen einer auf Ablehnung aufgebauten Beziehung eintauchen, dank eines minutiösen und sensiblen Schreibstils, zwischen Spannung und Taumeln, von einem unerbittlich stillen Getöse, um herauszufinden, was diese beiden Menschen zueinander getrieben hat. Kein Trash, keine Explosionen, sondern das ganze Glaukose des Unausgesprochenen. Ein intensiver, atmosphärischer Noir-Roman, der ebenso verwirrt wie erfroren ist.
Schreiben Sie dem Autor: quentin.perissinotto@leregardlibre.com
Fotokredit: © Pixabay Lizenz / innokurnia

Katja Schönherr
Marta und Arthur
übersetzt von Barbara Fontaine
Zoé-Verlag
2021
249 Seiten
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