DOSSIER «SEX OHNE KOMPLEXE» | Der 2007 verstorbene französische Historiker René Rémond hat die Antwort auf diese Frage in einer schockierenden Formel zusammengefasst: Sex, so schrieb er 1987, sei 1968 in die Politik gekommen. Dieser Aphorismus impliziert, dass Sex und Politik vor diesem Datum in getrennten Sphären lebten und sich allenfalls im Privatleben der politischen Akteure begegneten.
Jeden Monat stellt Ihnen Le Regard Libre einen Philosophen vor, dessen Denken sich als anders oder sogar gegensätzlich zu...
ANALYSE, Olivier Meuwly | «Man könnte argumentieren, dass die Reformfähigkeit kapitalistischer Systeme zum Teil Marx selbst zu verdanken ist», fragt sich Raymond Aron nicht ohne eine gewisse Heiterkeit in seiner berühmten Vorlesung über Marx« Marxismus, die er Anfang der 1960er Jahre an der Sorbonne hielt, ein Jahrzehnt später am Collège de France gehalten und 2002 von Jean-Claude Casanova im inzwischen aufgelösten Verlag Editions de Fallois veröffentlicht wurde. Gibt sich Aron hier seiner gewohnten Ironie hin? Oder muss man sich fragen, ob hinter diesem provokanten Aphorismus nicht nur die tiefe Bewunderung zum Vorschein kommt, die der große französische Liberale dem Gründervater des »wissenschaftlichen Sozialismus“ stets entgegengebracht hat, sondern auch eine Warnung an diejenigen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, eben diesen Kapitalismus zu analysieren … oder zu praktizieren?
Jeden Monat stellt Ihnen Le Regard Libre einen Philosophen vor, dessen Denken sich von den Klischees, die über ihn kursieren, unterscheidet oder sogar im Gegensatz dazu steht. Der Historiker Olivier Meuwly macht den Anfang und vertritt die Ansicht, dass Georg Wilhelm Friedrich Hegel kein Befürworter eines autoritären Staates ist. Ganz im Gegenteil: Unser Gastredakteur erkennt einige theoretische Grundlagen des Liberalismus im Herzen des Hegelschen Systems. Selbst die direkte Demokratie ist laut dem Historiker kein Fremdwort in der Vision des Deutschen.