Die Liberalen standen der föderalistischen Idee lange Zeit ablehnend gegenüber. Doch die Entwicklung ihres konservativen Flügels hat sie dazu veranlasst, ihre Position zu überdenken. Heute wird der Föderalismus von den Liberalen als eine Säule des schweizerischen Unternehmertums betrachtet.
Seit der Französischen Revolution war die Demokratie in ihrer repräsentativen Form oft umstritten und konnte die autoritären Bestrebungen bestimmter Denkrichtungen nie ganz auslöschen. Dennoch blieb auch die direkte Demokratie nicht von Kritik verschont.
Während die Schweiz ihr föderalistisches System von den USA übernommen hat, wurde der Aufschwung der direkten Demokratie jenseits des Atlantiks durch das helvetische Modell angeregt. Die Geschichte des gemeinsamen Schicksals dieser beiden Länder, das sich nicht nur in ihren Hauptstädten abgespielt hat.
Die Schweiz mag keine Helden, vor allem nicht ihre eigenen. Das ist an sich nicht schlimm. Es sei denn, es läuft darauf hinaus, den Einzelnen aus der Geschichte auszuschließen und damit Gefahr, sie unverständlich zu machen. In diesem Sinne täte dieses Land gut daran, sich seine großen Figuren wieder anzueignen.
Die großen Unternehmer waren direkt am Aufbau des 1848 entstandenen Bundesstaates beteiligt. Später wurden diese Wirtschaftsgrößen immer seltener und machten häufig den Vorsitzenden von Arbeitgeberverbänden Platz. Diese Entwicklung hat ihre Spuren hinterlassen.
Seit Rousseau werden Lobbygruppen beschuldigt, die Mechanismen einer echten Demokratie zu untergraben, doch sie sind ein wesentlicher Bestandteil dieser Demokratie. Als Teil der von Tocqueville so genannten «Zwischenkörper» ermöglichen sie die Meinungsbildung.
Als Tochter der Aufklärung machte sich Germaine de Staël natürlich den liberalen Diskurs zu eigen. Sie entwickelte ihn jedoch weiter, indem sie ihn mit der Idee der Nation verband, die die Romantik ihrer Zeit widerspiegelte und die der Liberalismus schließlich mit dem Konzept des Nationalstaats zähmte.
Mit dem Wokismus wurde der Rückzug auf die eigene Identität zum Zeichen einer Ablehnung der Aufklärung. Ist das immer noch der Fall? Ist das Zusammenkommen von Frauen - oder Männern - nicht eine legitime Forderung, auch wenn sie von den Wokes sehr inkohärent vertreten wird?
Das sogenannte Milizsystem wird von vielen Seiten kritisiert. Es ist zusammen mit dem Föderalismus und der direkten Demokratie Teil der institutionellen und damit identitätsstiftenden Konstruktion der Schweiz.