«I kill giants»: Kaninchen als Trottel
Neuchâtel International Fantastic Film Festival (NIFFF) - Thierry Fivaz
In seinem ersten Spielfilm liefert der junge Regisseur Anders Walter eine etwas staubige Adaption des gleichnamigen Comics von Joe Kelly und Ken Niimura, I kill giants. Am NIFFF als Schweizer Premiere gezeigt, I kill giants ist ein Film über die Angst. Oder vielmehr darüber, wie Ängste vertrieben werden können, wenn man noch ein Teenager ist.
I kill giants erzählt die Geschichte von Barbara (Madison Wolfe), einem Mädchen, das Hasenohren als Kopfbedeckung trägt, nicht gerade sympathisch ist und daher eher ein Einzelgänger ist. Der Grund für diese Unfreundlichkeit und ihre übermäßige Eigenwilligkeit lässt sich erklären, denn Barbara leidet. Das junge Mädchen leidet aus Gründen, die erst am Ende des Films enthüllt werden. Die der Zuschauer jedoch sehr schnell erahnt. Wie dem auch sei: Um ihrem Leid zu entfliehen, ihm entgegenzuwirken und es zu vertreiben, erschafft sich das junge Mädchen eine Fantasiewelt, in der ihr Leid die Gestalt schrecklicher und furchterregender Riesen annimmt, die sie zu bekämpfen versucht.
Es ist verständlich, dass Walters Film in Frankreich nicht in die Kino-Saal. Der Film landete direkt in den DVD-Regalen. Auch auf die Gefahr hin, als alte Nörgler zu gelten, I kill giants beschreibt lediglich das phantasmagorische Abenteuer eines etwas naiven und egoistischen Mädchens, das völlig aus der Bahn geraten ist. Ein kleines Mädchen – oder sollten wir besser sagen: ein junges Mädchen? Denn eine jüngere und liebenswertere Darstellerin als Madison Wolfe hätte den Film zweifellos intensiver und stimmiger gemacht. Denn wer gibt sich mit zwölf Jahren als Don Quijote aus – abgesehen von Don Quijote selbst – und stürzt sich in einen Kampf gegen Riesen? Abgesehen von einer Person, die an einer Krankheit leidet, lässt sich das nicht erklären.
Auch wenn eine allzu wörtliche Interpretation für einen solchen Film natürlich unangebracht erscheint, stellt sich dennoch ein Unbehagen ein. Das Unbehagen, kein Mitgefühl für Barbara zu empfinden. Niemand wird das Leid, die Krankheit und die Ängste unterschätzen. Aber wenn es eine Sache gibt, die es den Opfern ermöglicht, sich aus ihrem Unglück zu befreien, dann sind es andere Menschen. Angehörige, Freunde und Familie helfen uns in der Tat in schwierigen Zeiten. Vorausgesetzt, man hat sie. Doch Barbara ist nicht allein. Sie hat das Glück, eine große Schwester zu haben, Karen (Imogen Poots). Einen etwas einfältigen Bruder, der aber für sie da ist. Sie hat sogar das Glück, Sophia (Sydney Wade) zu haben, eine Klassenkameradin, die sich für sie interessiert und sich von ihrem grotesken Aussehen nicht abschrecken lässt. Sogar die Schulpsychologin (Zoe Saldana) möchte ihr helfen. Doch all diese ausgestreckten Hände scheint Barbara zurückzuweisen. Riesen zu finden, zu jagen und zu töten hat für Barbara natürlich oberste Priorität.
Wenn der Comics Während das Buch von Kelly und Niimura vielen Lesern Tränen in die Augen getrieben hat, gelingt dies dem Film nicht. Die Figuren sind nicht sympathisch, und wenn wir weinen, dann nicht wegen Barbaras Schicksal, sondern weil es in Krisenzeiten – egal in welchem Alter – dramatisch ist, sich zu isolieren und die Hände, die uns entgegenstrecken, nicht zu ergreifen. Darin liegt zweifellos das Drama dieses Films, der keine Flucht in die Traumwelt schildert, wie es ein Del Toro in Pans Labyrinth, sondern in einem verheerenden und langweiligen Horror.
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Schreiben Sie dem Autor : thierry.fivaz@leregardlibre.com
Fotocredit: © NIFFF
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