«Judy»: Oscar für die beste Hauptdarstellerin für einen schwachen Film

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geschrieben von Loris S. Musumeci · 04. März 2020 · 0 Kommentare

Mittwochs im Kino - Loris S. Musumeci

«Ist es das, was du werden willst, Judy, eine arme Hausfrau, eine einfache Mutter?» 

Die Umgebung ist idyllisch, die Szene ist von bitterer Härte. Ein völliges Ungleichgewicht sogar. Mit einer Zigarre an den Fingern, fett und riesig, spricht Herr Mayer zu einem jungen Mädchen von kaum siebzehn Jahren, klein und zerbrechlich. Die junge Judy Garland, die um jeden Preis glänzen will. Und es fängt gut an. Denn die besagte Umgebung, blumig und niedlich, ist die des Filmsets von Zauberer von Oz (1939), bis heute einer der beliebtesten Filme des Kinos.

Sie will glänzen. Aber um welchen Preis? Das Opfer ihrer Jugend. Der Produzent Mayer glaubt an sie – irgendwo zwischen Wohlwollen und Belästigung. Er lobt und ermutigt sie, während er sie zugleich zurechtweist. Er bedroht sie. Er schreibt ihr vor, wann sie schlafen, was sie essen, wie sie sprechen, wie sie sich benehmen und wie sie denken soll. Sie ist sein Eigentum. Judys Leid ist offensichtlich, doch ihr Wille zum Durchbruch übertrifft alles. Dank Zauberer von Oz, danach folgte die Karriere, die wir alle kennen. Unzählige Filme, eine endlose Reihe der prestigeträchtigsten Auszeichnungen, aber auch Scheidungen, Selbstmordversuche und Alkoholismus. Schließlich starb sie 1969 im Alter von siebenundvierzig Jahren in London.

Oscar für die beste weibliche Hauptrolle

Judy, ein Biopic. Allerdings ein sehr selektives. Denn es konzentriert sich auf das Jahr 1969, mit verschiedenen Rückblenden in die Jugend der Schauspielerin, die damals ein Star des Filmstudios MGM war. Sie lebte nur für MGM. In der Diktatur von MGM und dessen Direktor Mayer. Mit siebenundvierzig Jahren ist Judy zwar immer noch ein Star, aber mittellos und ohne den Ruhm vergangener Tage. Sie verlässt die Vereinigten Staaten, sie verlässt ihre Kinder, um nach London zu gehen, wo ihr Image makellos geblieben ist. Dort wartet man nur auf sie. Ein Neuanfang. Rückkehr auf die Bühne – und Sturz auf der Bühne wegen eines Gläschens zu viel. Im Wechsel zwischen Ruhm und Katastrophe haben diese letzten Monate im Leben von Judy Garland der Schauspielerin, die sie verkörpert, in diesem Jahr den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle eingebracht.

Renee Zellweger wurde gekrönt und widmete ihre Statue ganz Judy Garland. Eine durchaus verdiente Auszeichnung, trotz der Mittelmäßigkeit des Films. Ja, Judy ist schwach. Das tragische und mitreißende Leben seiner Protagonistin hätte den Film jedoch zu einem Meisterwerk machen können. Das ist jedoch weit gefehlt. Renée Zellwegers Darstellung hätte die höchste Auszeichnung mit größerer Berechtigung erhalten können. Auch wenn sie dabei an Übertreibung, ja sogar an Lächerlichkeit grenzt. Ein normales Risiko angesichts der Exzentrik der Figur, die sie verkörpert. Vor allem in ihren Mimiken. Diese sind zugleich die Stärke und die Schwäche ihres Spiels. Schwäche, weil sie uns mit ihren Tränen, ihren Wutausbrüchen und ihrem Freudengelächter letztendlich ermüdet.

Irgendwo jenseits des Regenbogens

Man würde es gerne glauben, aber da gibt es einen Haken. Einerseits die übertriebene Darstellung von Renée Zellweger, andererseits die schlechte Struktur des Films. Rupert Goold hat sich bei seiner Inszenierung dafür entschieden, zwischen der Jugendzeit bei MGM und dem Ende in London hin und her zu springen. Schon hier hat er nicht auf Originalität gesetzt. Das ist nicht weiter schlimm. Jedenfalls bleibt das Schema sehr klassisch. Das Problem liegt vor allem im absoluten Mangel an Kohärenz zwischen den wenigen Szenen aus der Jugendzeit und dem neuen Leben in England. Keine Verbindung, kein Interesse. Die Szenen aus den Anfängen hätten mehr Raum verdient; aber in dieser Form hätte man sie besser ganz weglassen sollen. Das Werk ist zu lückenhaft. Rupert Goold wollte um jeden Preis das Leiden der jungen Judy zeigen, um ihre Eskapaden in der Stunde ihres Todes zu erklären. Aber was hat er gezeigt? Nichts.

Das heißt aber nicht, dass man nicht gerne mit Judy weinen und zusammenbrechen würde. Die Figur bleibt durch und durch liebenswert und fesselnd. Man würde gerne daran glauben. Umso mehr, als das Biopic trotz seiner Mängel die farbenfrohe, festliche und verrückte Atmosphäre der Sechzigerjahre gut einfängt. Leider verspürt der Zuschauer keinen Nervenkitzel. Das Aufkommen von Emotionen bleibt an der Schwelle eines schlecht strukturierten Films stecken. Keine Leidenschaft. Mit Ausnahme des letzten Liedes, das Judy uns bei ihrem letzten Bühnenauftritt schenkt. Bevor sie geht Irgendwo über dem Regenbogen.

Schreiben Sie dem Autor: loris.musumeci@leregardlibre.com

Fotocredit: © Pathé Films

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