Eine «Rosa Wolke», die uns an einen bestimmten Virus denken lässt
Les mercredidis du cinéma - Jonas Follonier
The Pink Cloud erzählt von der Ankunft einer mysteriösen rosa Wolke am Himmel, die dem gesamten Planeten eine strenge Eindämmung auferlegt. Dieser brasilianische Film kommt am 8. April in die Kinos und wurde vor der verfluchten Zeit des Coronavirus geschrieben. Die Familienähnlichkeit ist verblüffend.
An Nuvem Rosa («Die rosa Wolke»). Ein origineller, eleganter Titel, der uns daran erinnert, dass Portugiesisch eine der romanischen Sprachen ist, die dem Lateinischen am nächsten stehen. The Pink Cloud, so der internationale Titel, regt uns dazu an, über die «Cloud» nachzudenken und über all das, was dieses englische Wort in der Welt der Informatik mittlerweile für uns bedeutet. Eine Wolke zur Speicherung unserer persönlichen Daten, die uns schützen soll, uns aber gleichzeitig überwacht und in unser Leben eingreift.
Strenger Lockdown und digitales Leben
Die Geschichte, die uns erzählt wird, fesselt uns von der ersten Minute an. Eine riesige rosa Wolke taucht am Rande einer Stadt am Himmel auf. Ein Spaziergänger, der dieses seltsame Phänomen von einem kleinen Holzsteg aus beobachtet, bricht zehn Sekunden später zusammen und lässt seinen Hund ohne Herrchen, orientierungslos und schluchzend zurück. Das ist der Beginn einer Katastrophe, auf die die Gesellschaft schnell reagieren muss. Der gasförmige Riese, über den man nichts weiß – angefangen bei seiner Herkunft –, ist tödlich. Doch er kann keine Wände durchdringen. Die Sirenen heulen; eine allgemeine Ausgangssperre wird verhängt.
Giovana (Renata de Lélis) und Yago (Eduardo Mendonça) haben sich gerade erst kennengelernt. Nachdem sie sich auf einer Party angefreundet hatten, haben sie die ganze Nacht miteinander geschlafen. Nun sitzen sie aufgrund der Umstände gemeinsam in der Wohnung fest. In den ersten Tagen gibt es nicht viel Sex. Vielmehr herrscht Verwirrung angesichts dieser absurden Bedrohung, die hinter dem Fenster zu sehen ist. Sehr schnell wird dies zum einzigen Thema in den Fernsehnachrichten. Und die Gewöhnung an das Leben im Haus, ebenso wie die Langeweile, die die Rückkehr des Verlangens zwischen den beiden fast Fremden einläutet. Das wilde Verlangen, dann das Verlangen auf Dauer. Aus dieser allmählichen gegenseitigen Annäherung entsteht ein Kind. Sein ganzes Leben lang wird dieses Kind nichts anderes kennen als das Leben innerhalb der Stadtmauern und die digitalisierten Aktivitäten.
Die rosa Wolke ist die Erzählung dieses Lebens am Rande der Gesellschaft, in dem der Mensch alle möglichen Stimmungen durchlebt. Der Junge hat Fernunterricht; man flüchtet sich in die erweiterte Realität eines Headsets; das erotische Leben der Erwachsenen wird entweder einfallsreich oder überstürzt – man hat die Wahl. Die Realität wirkt furchtbar routinemäßig und, paradoxerweise, unecht. Ein Nachbar, der am Ende seiner Kräfte ist, nimmt sich das Leben. Alles lässt sich so zusammenfassen: Man hält mehr oder weniger durch. Das Paar – sehr gut verkörpert –, dessen verschiedene Lebens- und Seelenzustände wir verfolgen, verkörpert die Spannung, die zwischen der Verleugnung des Tragischen und dessen Akzeptanz entstehen kann. Es konfrontiert uns zudem unverblümt mit der den Menschen innewohnenden Unvereinbarkeit sowie mit den Wundern, die dennoch geschehen können – wie Blumen, die zwischen den Steinen einer Wüste emporwachsen.
Ein weiteres prophetisches Werk
Die Ähnlichkeit zwischen unserem Alltag seit über einem Jahr und dem Drehbuch von The Pink Cloud ist beeindruckend. Die Regisseurin Iuli Gerbase hat das Drehbuch jedoch bereits 2017 geschrieben, und der Film wurde 2019 gedreht. Die Tatsache, dass der Spielfilm vor der Covid-19-Zeit entstanden ist, ist ein Beweis sowohl für seine Universalität als auch für den prophetischen Charakter, den das Universelle geradezu annehmen kann. «Es gibt keinen Zufall, es gibt nur Verabredungen»: Was Etienne Daho aus der Realität der Liebe ableitet, lässt sich auf den manchmal atemberaubenden Bereich der Kunst übertragen. Wenn diese perfekt mit einem Moment der Zukunft harmoniert, dann liegt das daran, dass sie ganz und gar von jener Vorahnung geprägt ist, die den Schöpfern eigen ist und die an sich unerklärlich ist.
Wenn die Resonanz so stark ist, ist das daraus resultierende Erlebnis sehr eindringlich. Das war vor einem Jahr bei dem Schweizer Roman der Fall Verpuffung von Serge Bimpage. Das ist nun der Fall bei The Pink Cloud, zumal die exklusive Ausstrahlung auf der Plattform filmingo unseren trostlosen Alltag widerspiegelt. In diesem schwarzen Rauch lassen sich noch viele weitere Bedeutungen und Parallelen erkennen. Es sei denn, Sie ziehen es vor, das Leben durch eine rosarote Brille zu sehen.
Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com

Bildnachweis: © trigon-film.org


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