Zum Glück der «Damen»

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geschrieben von Virginia Eufemi · 03. Oktober 2018 · 0 Kommentare

Mittwochs im Kino - Virginia Eufemi

Stéphanie Chuat und Véronique Reymond erzählen uns in ihrem Schweizer Dokumentarfilm mit dem Titel Die Damen. Fünf Frauen aus der Romandie im Alter von rund siebzig Jahren geben uns Einblicke in ihren Alltag, ihre Einstellung zur Liebe und zum Leben. Im Laufe der Jahreszeiten, vom Karneval über Ostern bis hin zu Weihnachten, begleiten wir diese Frauen durch einige Momente ihres Lebens, in denen sie uns auf einfühlsame Weise ihre Sicht auf das Vergehen der Zeit, das Voranschreiten des Lebens und die kommenden Jahre vermitteln.

«Das Leben liegt noch vor einem»

Diese Damen waren Journalistinnen, Hausfrauen, Künstlerinnen, verheiratet, geschieden oder verwitwet; sie blicken auf Ereignisse zurück, die ihr Leben geprägt haben, auf die Menschen, die sie begleitet haben, und auf ihren Alltag. Musik, Tanz, Theater und Fotografie bestimmen den Alltag unserer Damen, die sich mit großer Leidenschaft zahlreichen Aktivitäten widmen. Dieser Dokumentarfilm, geprägt von Naturalismus und Zärtlichkeit, wirft einen authentischen Blick auf die Realität des fortschreitenden Alters.

Mit Humor sprechen unsere fünf Damen über die Art und Weise, wie Männer sie betrachten – die sich seit einiger Zeit offenbar verändert hat – und gehen tabulos auf ihre Sexualität ein. Denn auch wenn Véronique Reymond und Stéphanie Chuat in die Intimsphäre dieser Frauen eindringen, hat der Zuschauer nicht das Gefühl, ein Voyeur zu sein oder in die Privatsphäre einzudringen. Es handelt sich vielmehr um aufrichtige Porträts eines Lebensalters, das anderen in nichts nachsteht: Diese Damen (wieder)entdecken verliebte Gefühle, erleben die Freuden des Großelternseins, bewältigen die Trauer um ihre Angehörigen und stellen sich mutig ihren Phobien und Ängsten. Ihr Rezept? Carpe diem. Sie leben im Hier und Jetzt und genießen jeden Tag.

Manche suchen über Partnerbörsen oder Tanzveranstaltungen nach einem Lebensgefährten, um die kommenden Jahre gemeinsam zu verbringen. Andere müssen den Verlust ihres Mannes verkraften und schildern uns auf sehr bewegende Weise ihre Einsamkeit, die wenig später durch die Geburt eines Enkelkindes in der Familie gemildert wird. Die Regisseurinnen verbergen die Namen dieser Frauen nicht, heben sie aber auch nicht besonders hervor; ebenso sind die Schauplätze zwar erkennbar, stehen jedoch nicht im Mittelpunkt der Geschichte; diese Porträts behalten somit ihren universellen Charakter.

Das belegen die Reaktionen im Kinosaal: Das Publikum im Kino Apollo – etwa fünfzig Personen über sechzig, überwiegend Frauen – war sehr aufgeschlossen und lebhaft, was zeigt, dass Véronique Reymond und Stéphanie Chuat vielleicht das Wesen des Lebens in diesem Alter eingefangen haben, dem Alter der Weisheit, wie man so sagt. Schade, dass kein jüngeres Publikum dabei war, das diese Ode an das Leben, die Liebe, die Gefühle und das Glück der Damen zweifellos zu schätzen gewusst hätte.

Schreiben Sie dem Autor: virginia.eufemi@leregardlibre.com

Bildnachweis: © Agora Films

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