Filme Kritik

Fünfzig Schattierungen der Lächerlichkeit

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geschrieben von Loris S. Musumeci · 15. März 2017 · 2 Kommentare

Das Leben von Anastasia Steele (Dakota Johnson) ist wieder in normale Bahnen zurückgekehrt. Sie trifft sich mit ihren Freunden, arbeitet bei einem großen Verlag und wohnt in einer charmanten kleinen Wohnung in der Innenstadt. Eines Abends ändert sich alles schlagartig. Bei einer Fotoausstellung taucht der gutaussehende Christian Grey (Jamie Dornan) auf, um seine verlorene Liebe wiederzufinden: seine «Unterwürfige», das Opfer seiner heißesten sadomasochistischen Praktiken.

Die junge Verlegerin scheint sich ihrem unwiderstehlichen Liebhaber von einst entziehen zu wollen. Ein Wort aus der tiefen Stimme des Mannes, und schon gibt sie nach. Später am selben Abend ist es wieder Zeit für die Vereinigung der Körper. Doch Vorsicht: Die beiden Turteltauben haben den festen Entschluss gefasst, eine gesunde Beziehung ohne sexuelle Gewalt zu führen. Werden sie das schaffen, wo doch Christian nach wie vor heiße Fantasien hegt und Anastasia die sanften Klapse von damals nie vergessen hat?

Es fällt schwer, mehr darüber zu erzählen. Die Handlung, wenn man sie überhaupt so nennen kann, ist völlig inhaltslos. Zwischen lächerlichen Klischees und einem sich endlos wiederholenden Schema ist alles schon im Voraus klar. Schon in den ersten Minuten des Films könnte der Zuschauer getrost den Kinosaal verlassen, ohne auch nur ein einziges interessantes Detail zu verpassen.

Fünfzig Schattierungen dunkler ist jedoch nicht nur ein Geschwätz voller Unsinn, sondern entartet auch zu einer künstlerischen Beleidigung, einer sentimentalen Verschwendung und einer psychologischen Katastrophe. Diese letzte Kritik richtet sich an Christian, Anastasia, aber auch an jede Figur, deren Auftritt noch so geringfügig ist. Jeder Schauspieler ist erbärmlich; keiner ist auch nur im Geringsten überzeugend.

Die wohlhabende Familie des Sadomasochisten versucht beispielsweise, sich als adliges Geschlecht darzustellen. Verstrickt in die Angelegenheiten einer zwangsläufig korrupten und wohltätigen Großbourgeoisie, möchte sie zur Schau stellen, wie kultiviert und geistig feinsinnig ihre Mitglieder sind. Davon kann jedoch keine Rede sein! Grace Grey, die Mutter des Protagonisten, versucht sich an der Größe einer Frau von gutem Anstand, vollendeter Eleganz und makelloser mütterlicher Zärtlichkeit. Doch ihre Figur trieft nur so vor Sentimentalität. Selbst wenn sie aus Enttäuschung über ihren rebellischen Sohn weint, kann sie beim Publikum nur ein müdes Lachen hervorrufen. Das ist schade, denn diese lächerliche Snobin wird von der Oscar-Preisträgerin Marcia Gay Harden gespielt.

Christian besitzt, trotz seiner fast ausschließlich im Imperativ gehaltenen Sprache, nicht mehr Charakter als seine Mutter. Man kann von ihm sagen, dass er extrem besitzergreifend und ziemlich jähzornig ist. Ansonsten bleibt er nichts weiter als eine Sex- und Befehlsmaschine. Was seine Gefühle angeht: Er behauptet immerhin, vor Liebe für Anastasia zu schmelzen. Zum Glück wird dies im Drehbuch etwas unbeholfen angedeutet, und Jamie Dornan schafft es, seine Zeilen verständlich vorzutragen – sein Schauspiel lässt allerdings stark zu wünschen übrig.

Anastasia, was für eine entzückende moderne Frau! Sie ist hübsch und verströmt einen verführerischen Duft, der alle Männer in ihren Bann zieht. Und vor allem ist sie sehr intelligent. Das ist natürlich kein Wunder, da sie im Verlagswesen arbeitet. Ihre literarischen Referenzen werden jedoch mit keinem Wort erwähnt. Ein wahrer Segen: Angesichts des erhabenen Stils jedes einzelnen Dialogs wäre das ein Massaker geworden. Tatsächlich ist der treffendste Begriff, um Anastasia jenseits ihres sozialen und beruflichen Status zu beschreiben, kein anderer als: Dummchen.

Die junge Unterwürfige drängt sich nicht in den Vordergrund. Sie nimmt immer wieder Christians Fantasien entgegen. Manchmal scheint sie wütend zu werden, doch nach dreißig Sekunden ist alles wieder in Ordnung, denn ihr Geliebter ist ihr einfach zu bezaubernd. Die einzigen Momente, in denen der Barbie-Archetyp mit ein wenig Selbstbewusstsein spricht, eröffnen einen Reigen der Verzweiflung: «Ich bin viel zu bedeckt. Zieh mich aus», etwas zarter: «Ich will dich, dich, ganz und gar», und das Beste vom Besten: «Ich will, dass du mir den Hintern versohlst». Eine beeindruckende Persönlichkeit, ein echtes Vorbild für Frauen!

Was die Liebe angeht, bietet der (zu) lange Spielfilm nichts Befriedigendes. Soll man etwa zum Träumen anregen, indem man eine Aschenputtel zeigt, die von einem alles andere als charmanten Prinzen misshandelt wird? Eine Beziehung, die allein von Unzucht lebt, mag eine gewisse Zeit lang aufregend sein. Mehr aber auch nicht. Tatsächlich ist der Film, obwohl er sich als erotische Romanze präsentiert, weder romantisch – da es ihm völlig an Liebe mangelt – noch verfügt er über ein Minimum an Erotik.

Erotik kann nur insoweit entstehen, als sie auf einem künstlerischen Inhalt beruht. Von Kunst kann jedoch keine Rede sein in Fünfzig Schattierungen dunkler. Die Szenen mit sexuellen Übergriffen verwandeln sich im Handumdrehen von einer erbärmlichen Seifenoper – ein passender Vergleich wäre der von Topmodels – der Pornografie eines Amateurvideos. Übertriebene Orgasmen, fröhliche Analsexszenen und andere perverse Praktiken sind der Grund dafür. Der Zuschauer, der auf der Suche nach einem Aphrodisiakum ist, wird enttäuscht.

Schließlich sollte man James Foley ein Kompliment machen. Und sei es nur dafür, dass es ihm gelungen ist, das gesamte Geld, das ihm zur Verfügung stand, für die Produktion eines solchen Schunds auszugeben. Auch die Wahl der beiden Hauptdarsteller ist natürlich nicht völlig daneben: Die muskulösen und schlanken Körper von Christian bzw. Anastasia sind nach wie vor eine Augenweide. Das verführerische Aussehen beider würde eine bessere Inszenierung verdienen. Ihre Figuren nehmen ihnen nämlich jeglichen Charme, so sehr strotzen sie nur so vor Dummheit.

2 Kommentare

  1. Cinquante nuances plus ridicules encore | Le Regard Libre
    Cinquante nuances plus ridicules encore | Le Regard Libre · 14. Februar 2018

    […] A lire aussi : Cinquante nuances de ridicule […]

  2. Geny
    Geny · 18 März 2017

    D'accord avec toi en tout. Déprimant et décevant .

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