Filme Kritik

«Das Herz in Braille» oder der Misserfolg dieses Jahresendes

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geschrieben von Jonas Follonier · 28. Dezember 2016 · 0 Kommentare

Marie (gespielt von Alix Vaillot) ist ein junges Mädchen, das an einer Augenkrankheit leidet, durch die sie nach und nach ihr Augenlicht verliert. Victor (gespielt von Jean-Stan du Pac), ein Klassenkamerad, ist in sie verliebt, auch wenn er lange braucht, um es ihr zu gestehen. Er hat keine Sehprobleme: Vielmehr leidet er darunter, dass er keine guten Noten bekommt. So entwickelt sich zwischen Victor und Marie zunächst eine Freundschaft und später eine Liebesbeziehung: Sie gibt ihm Nachhilfe, er hilft ihr dabei, ihre Krankheit zu verbergen, damit sie an dem Wettbewerb teilnehmen kann, von dem sie so sehr träumt: einem Cello-Vorspiel.

Die Geschichte verspricht spannend zu werden – sie basiert ja auch auf einem Roman. Doch der Film, der seit heute in unseren Kinos läuft, weist so viele Mängel auf, dass es einem das Herz bricht. Die Inszenierung ist misslungen – darin sind sich wohl alle einig Le Monde, Télérama und die meisten anderen Medien, hinzu kommen Le Regard Libre.

Zunächst einmal werden in dem Film viel zu stark ausgeprägte Gegensätze dargestellt: Ein reiches und intelligentes Mädchen verliebt sich in einen armen Schulversager. Das Werk von Michel Boujenah konzentriert sich zudem zu sehr auf die Kinder und ihre Unschuld. Alle Erwachsenen, abgesehen vielleicht vom Augenarzt, wirken als uninteressante Menschen, die das «wahre Leben» – Musik und Liebe – nicht verstehen. Maries Vater, gespielt von Charles Berling, ist der Inbegriff dieser dummen Erwachsenen. Trotz dieser fragwürdigen künstlerischen Entscheidungen hätte der Film den Ansprüchen der heutigen Kinoliebhaber gerecht werden können…

Ja, aber… Ob man nun das Drehbuch oder die Musik betrachtet, ob man die Dramaturgie des Spielfilms oder die schauspielerische Leistung berücksichtigt – man muss zugeben, dass wir es hier mit Fadheit in Reinform zu tun haben. Die Melodien? Schmalzig, nicht sanft. Die Dialoge? Platt, nicht einfach. Das Schauspiel der Darsteller? Übertrieben, nicht begabt. Alles scheint sich zu einer Art Selbstgefälligkeit der französischen dramatischen Komödie zusammenzufügen, als ob dieses Genre sich selbst genügen und sich nicht hinterfragen müsste.

Dieses Ergebnis enttäuscht aus dem einfachen Grund, dass die behandelten Themen (fortschreitende Erblindung, Freundschaft, erste Liebe) äußerst spannende Themen sind, die sich für tausendundeine künstlerische Herangehensweisen eignen. Anstatt beispielsweise den Ansatz einer Reflexion über die Zusammenhänge zwischen Blindheit und Musik zu verfolgen, besteht der Film aus Plattitüden wie: «Am Blick sieht man, dass eine Frau verliebt ist.» Das allerletzte Ende rettet jedoch, was noch zu retten war: Das Herz in Braille hat eine echte Schlussszene, die berührt und unter die Haut geht. Insgesamt sollte man den Film dennoch meiden.

Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com

Jonas Follonier
Jonas Follonier

Bundeshauskorrespondent für «L'Agefi», Singer-Songwriter, Jonas Follonier ist Gründer und Chefredakteur von «Regard Libre».

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