«Ceux qui travaillent», wenn der Schweizer Qualitätsfilm auf sich warten lässt
Mittwochs im Kino - Loris S. Musumeci
«Auf welcher Seite willst du stehen? Die, die arbeiten, oder die anderen?»
Franck ist ein Tier bei der Arbeit. Er lässt nichts unversucht. Tag und Nacht ist er auf sein Telefon und seinen Computer fixiert. Sein Büro ist sein zweites Zuhause, oder eher sein erstes, weil er so viel Zeit dort verbringt. Gefühle existieren für ihn nicht. Geld, Unternehmen und Profit sind die einzigen Motoren in seinem Leben. Von Genf aus verwaltet er die Reisen von Handelsschiffen rund um die Welt. Jeder kleine Fehler kann das Unternehmen Hunderttausende von Franken kosten. Eines Tages meldet ihm der Kapitän eines Schiffes, dass ein illegaler Liberianer auf das Schiff gelangt ist. Es gab kein Zurück und keine Möglichkeit, ihn nach Europa zu bringen. «Schafft ihn weg!» Es dauerte nicht lange, bis seine Vorgesetzten von der Geschichte erfuhren. Er wurde entlassen.
Was die Familie angeht, pflegt der Vater von fünf Kindern zu seinen Angehörigen eher eine militärische als eine familiäre Beziehung. Er ist fast immer abwesend und begnügt sich damit, seine Abwesenheit durch leicht verdientes Taschengeld und ein luxuriöses Leben auszugleichen. Dieser Mann, der sieht, wie alles vor seinen Augen zusammenbricht, steht plötzlich vor einer Leere. Berufliche Leere, familiäre Leere, Leere schlechthin. Was tun? Wohin gehen? Wie findet man das Glück, für das er sich offenbar nie interessiert hat? Francks strenge und kalte Routine verwandelt sich in eine Hölle, und er muss unbedingt einen Ausweg daraus finden.
Ein Sozialfilm
Das Thema ist bekannt; es ist ein gesellschaftliches Thema. Stress am Arbeitsplatz, der abwesende Familienvater und die fragwürdigen Methoden großer Unternehmen werden in Literatur und Kino immer häufiger thematisiert. Dennoch hat Antoine Russbach gut daran getan, sich dieses Themas anzunehmen, um Diejenigen, die arbeiten. Jede Geschichte dieser Art hat ihre ganz eigenen Protagonisten und kann ein anderes Publikum ansprechen. In diesem Schweizer Film wird insbesondere das liberale und materialistische Alltagsleben in der Schweiz hinterfragt. Zu Recht.
Der Film beschränkt sich jedoch nicht nur auf seine Botschaft. Er legt besonderen Wert auf die Kameraführung und nutzt dabei vor allem drei Verfahren, die dem Bild mehr Tiefe verleihen. Das erste besteht darin, den Hauptprotagonisten wiederholt von hinten zu filmen. Am Telefon schlendert er durch sein Haus, und der Zuschauer folgt ihm etwas orientierungslos. Es ist, als wüsste die Figur tief im Inneren nicht wirklich, wohin sie geht, und das Publikum ist der erste Zeuge davon. In die gleiche Richtung gehen die Sequenzen in Antoines Auto, die Schwindelgefühle hervorrufen, da die Kamera hinter dem Fahrer positioniert ist und sich in den Kurven der Gassen der vornehmen Viertel verliert. Scheinglücklich und friedlich, mit bedrückenden Sträuchern und Thujen.
Dritter Punkt: die eingefrorenen Szenen aus dem kleinen Familienleben. Die Kamera steht still und filmt in der Stille die Regungslosigkeit, in der der Patriarch Franck seine Frau und seine Kinder festhält. Die wenigen Bewegungen sind langsam und die Atmosphäre ist bedrückend. Dennoch sind die künstlerischen Kunstgriffe zu offensichtlich, vor allem in diesem Punkt. Man stellt sich – vielleicht zu Unrecht – vor, wie Antoine Russbach seinen Schauspielern anweist, eine theatralische Haltung einzunehmen und durch ihr Spiel den Eindruck zu vermitteln, dass die Zeit stehen geblieben ist.
Das Schweizer Kino und seine Mittelmäßigkeit
Zudem muss man trotz aller guten Absichten des Films leider feststellen, dass das Endergebnis enttäuschend ist. Die langen Pausen und statischen Einstellungen gehen zu weit und machen den Spielfilm zu lang und langweilig. Die Handlung, die sich teilweise als Anklage gegen den Kapitalismus versteht, artet mehrfach in eine rührselige Karikatur aus, vor allem wenn der Kapitän des Schiffes, dem Franck befohlen hatte, den illegalen Einwanderer zu beseitigen, mit gekünstelten Tränen in den Augen und zitternder Stimme sagt: «God bless capitalism.»
Aber das Schlimmste ist die schauspielerische Leistung. Es tut mir im Herzen weh, darüber zu sprechen, denn Diejenigen, die arbeiten hätte alles gehabt, um auf dem Niveau eines Schweizer Films erfolgreich zu sein. Und doch gewinnt dieser Aspekt eine solche Bedeutung, dass er einfach nicht außer Acht gelassen werden kann. Unter dem Diktat eines allzu sehr ausformulierten Drehbuchs tragen die Schauspieler, insbesondere bei den Vorstellungsgesprächen, ihren Text auf lächerliche Weise vor. Tut mir leid, aber in diesem Punkt Nachsicht zu üben, hieße zu lügen. Bei der Entlassung ist es dasselbe alte Lied: Eine Vorgesetzte, die wie eine Teenagerin spricht, die in der Sekundarschule aufmerksam ein Gedicht vorträgt. Die Arbeitsberaterin begeht dieselben Ungeschicklichkeiten. Francks Kinder und seine Frau – mit Ausnahme der jüngsten Tochter, die gut spielt – wirken amateurhaft. Nur Olivier Gourmet, der Franck spielt, schlägt sich nicht allzu schlecht, auch wenn er nicht besonders gut ist.
Ich bin jedoch überzeugt, dass weder dem Regisseur noch den Schauspielern das Talent fehlt. Sicherlich hätten sie es viel besser machen können. Wenn sich die Kunst in der Schweiz doch nur nicht mit ihrer Mittelmäßigkeit zufrieden geben würde! Das Urteil mag vielleicht zu hart sein, aber man hat allzu oft den Eindruck, dass die Schweizer, sobald sie in der Kunst – und insbesondere im Spielfilm, während es dem Dokumentarfilm eher gut geht – ein mehr oder weniger passables Ergebnis erzielen, die Sache aufgeben und sich sagen, dass es auf Schweizer Ebene es keinen Sinn macht, größer zu denken, weiter zu blicken. Warum? Das ist doch so schade! Handelt es sich um ein Problem der finanziellen Mittel, um schlechten Geschmack oder um Nachlässigkeit? Da ich diese Frage nicht beantworten kann, kann ich die Schweizer Filmemacher und Schauspieler nur ermutigen, wirklich an sich zu glauben, ihre Arbeit bis zum Ende durchzuziehen, ja sogar ihre Träume bis zum Äussersten zu verfolgen, denn sie sind dazu fähig, und der Schweizer Spielfilm wartet ungeduldig auf sie. Er erwartet Qualität.
«Wir haben uns damit abgefunden, ohne Vater zu leben, aber wir werden nicht akzeptieren, unseren Lebensstandard zu senken.»
Schreiben Sie dem Autor : loris.musumeci@leregardlibre.com
Bildnachweis: © Outside the Box
Einen Kommentar hinterlassen