«Un sac de billes», der neue Klassiker des französischen Kinos

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geschrieben von Loris S. Musumeci · 01 Februar 2017 · 0 Kommentare

Mittwochs im Kino - Loris S. Musumeci

« Sie sollen wissen, dass in diesem Salon alle jüdisch sind».»

August 1944, eine Gasse in Paris, die siegreich mit britischen und französischen Flaggen geschmückt ist. Hitler ist gefallen; wir sind frei. Sofort geht es zwei Jahre zurück, 1942, die Besatzung beginnt. Verspielte Kinder spielen in der Stadt, es handelt sich um Maurice (Batyste Fleurial) und Joseph (Dorian Le Clech) Joffo: zwei Juden, zwei Brüder. Sie besuchen den Friseursalon ihres Vaters Roman, der würdig von Patrick Bruel dargestellt wird. Die Atmosphäre ist heiter, so dass sich die Kinder über zwei Nazi-Offiziere lustig machen können, die gekommen sind, um sich die Seiten zu kahlen.

Am nächsten Tag bricht das Drama aus. Zu den Geigenklängen von Armand Amars Originalkomposition wird der gelbe Stern an die Mäntel genäht. Die Stunde ist ernst. Clignancourt verwandelt sich in ein «Pogrom». Man muss weggehen. Die Eltern Joffo beschließen, ihre Söhne in die freie Zone zu schicken. Die Reise wird unter Verfolgung gefährlich sein; die Familie ist getrennt, aber zuversichtlich. Zu Recht oder zu Unrecht?

Ein Beutel mit Murmeln, Der von Christian Duguay inszenierte Film nach dem gleichnamigen Roman hat sich zwei Wochen vor seinem Erscheinen bereits als Klassiker des französischen Kinos etabliert. Das ist nach Ansicht einiger Kritiker das Problem: zu klassisch, heißt es. Ich würde sogar hinzufügen, dass der Film nichts wirklich Neues bietet und sein Déjà-vu von der ersten Szene an spürbar ist.

Der Vorwurf wird dennoch zum Lob, wenn das Ergebnis eines altmodisch anmutenden filmischen Verfahrens nichts anderes als ein reiner Erfolg ist. Keine Kamerabewegung, keine historische Montagemethode ist neu. Und doch, welch feine Bilder, welch fesselnde und tief bewegende Handlung.

Auch das Spiel enthält nichts Besonderes. Man weint, man lacht; man ist aufgeregt, man beruhigt sich; man erstickt vor Angst, man atmet Mut. Das reicht völlig aus. Die Kinder verkörpern ihre Rollen auf beeindruckende Weise, Madame Anna Joffo (Elsa Zylberstein) duftet vor Stolz, Patrick Bruel ist hervorragend. Nicht zu vergessen die freundliche Beteiligung eines Kev Adams, wie man ihn noch nie gesehen hat, und die von Christian Clavier, sanft und subtil.

Die vorliegende Ehrung der Opfer des Holocaust ähnelt Das Leben ist schön von Benigni: spannend und ruhig zugleich. Insofern ein Wunsch an die nächsten Zuschauer von’Ein Beutel mit Murmeln : sich in das Abenteuer hineinziehen lassen, ohne Murmeln zu vergießen, aber ein paar Tränen.

«Es ist besser, eine Ohrfeige zu bekommen, die weh tut, als das Leben zu verlieren, weil man Angst hat, eine zu bekommen.»

Schreiben Sie dem Autor : loris.musumeci@leregardlibre.com

Bildnachweis : Die Zeit

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